Nichteisenmetalle

Aluminium: Stärkster Preisanstieg seit Jahrzehnten

Die US-Sanktionen lassen den Aluminiumpreis um 13 Prozent steigen. Die Verteuerung könnte noch weitergehen: Es zeichnet sich der stärkste Preisanstieg seit 30 Jahren ab. Betroffen ist vor allem der Konzern des Strabag-Großaktionärs Oleg Deripaska.

Die jüngsten US-Sanktionen gegen Russland haben den Weltmarktpreis für Aluminium stark nach oben getrieben. Bis Mittwochmittag (MESZ) kletterte der Kurs an der Londoner Rohstoffbörse bis auf 2.266,50 US-Dollar (1.833,59 Euro) je Tonne. Das waren 13 Prozent beziehungsweise mehr als 260 US-Dollar mehr als vor Bekanntgabe der Sanktionen am kommenden Freitag. Damit zeichnet sich der stärkste Preisanstieg in so kurzer Zeit seit 30 Jahren ab.

Konzern des Strabag-Aktionärs massiv unter Druck

Von den US-Sanktionen sind auch der russische Aluminiumproduzent Rusal und dessen größter Anteilseigner, der Oligarch Oleg Deripaska, betroffen. Dies lässt Anleger fürchten, dass es zu einem Mangel an Aluminium auf dem Weltmarkt kommen könnte, weshalb sie sich mit Zukäufen absichern. Oleg Deripaska hält ein größeres Aktienpaket am heimischen Bauriesen Strabag.

Schon jetzt zeichnen sich gravierende Folgen der Sanktionen für Rusal ab: Am Montag teilte das Unternehmen mit, man könne wegen der Sanktionen womöglich bestimmten Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

White Paper zum Thema

Diese Woche ließ zudem der schweizerische Rohstoffgigant Glencore mit Verweis auf die Sanktionen ein geplantes Aktientauschgeschäft mit Rusal platzen und kündigte an, auch andere Verträge zu prüfen - darunter eine Vereinbarung, die Glencore zum größten Käufer von Rusals Aluminium machen würde.

Außerdem gaben die Rohstoffbörsen in London und New York bekannt, vom 17. April an vorläufig keine Aluminiumbarren von Rusal mehr als Sicherheit für sogenannte Terminkontrakte zu akzeptieren, mit denen das Metall in der Regel gehandelt wird. Der Aktienkurs von Rusal hat sich diese Woche mehr als halbiert.

Rusal versucht, die Sanktionen zu umgehen

Rusal will einem Insider zufolge mit einem Notfallplan die neuen US-Sanktionen gegen Russland umgehen. Kunden seien aufgefordert worden, mit Euro statt Dollar zu bezahlen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Damit folge Rusal dem Beispiel des Iran.

Das Land hatte vor ein paar Jahren angesichts der Sanktionen, die wegen des Atomprogramms verhängt wurden, mit Gold, Öl oder japanische Yen für Getreide-Einfuhren bezahlt. "Rusal hat wie der Iran einen Verteidigungsplan ins Leben gerufen", sagte ein hochrangiger Manager eines Anteilseigners von Rusal. Die zu den größten Aluminiumproduzenten gehörende Firma wollte sich nicht äußern. (dpa/reuters/apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge