Personalia

Als neue Konzernchefs treten praktisch nur Männer an

In den großen Unternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz übernehmen zu 97 Prozent männliche Kandidaten die Führung. Elisabeth Stadler war als neu ernannte Chefin bei der Wiener Städtischen Versicherung (VIG) die einzige weibliche Führungskraft in der Dach-Region.

Mit Elisabeth Stadler von der Wiener Städtischen ging im Vorjahr im deutschsprachigen Raum der einzige neu weiblich besetzte Posten eines CEO an eine Österreicherin. Mehr in unserem Ranking: Das sind die 100 wichtigsten Frauen des Jahres >>

Der Frauenanteil bei in Deutschland, Österreich und Schweiz im Jahr 2016 neu angetretenen Firmenchefs in großen börsenotierten Unternehmen lag mit 3,0 Prozent unter dem globalen Schnitt von 3,6 Prozent.

Im Weltregionen-Vergleich hinkt der deutschsprachige Raum (DACH-Region) beim Frauenanteil anderen Regionen weit hinterher, heißt es in der "2016 CEO Success"-Studie von Strategy&, der Strategieberatung des Beraters PwC.

Mit Elisabeth Stadler von der Vienna Insurance Group ging der einzige neu weiblich besetzte CEO-Posten im deutschsprachigen Raum an eine Österreicherin. Mehr dazu in unserem Ranking: Das sind die 100 wichtigsten Frauen des Jahres >>

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Trotz des zunehmenden politischen Drucks würden die Führungsetagen der untersuchten Unternehmen meist eine reine Männerdomäne bleiben. Den höchsten Anteil gab es in den USA und Kanada, wo im vergangenen Jahr 5,7 Prozent weibliche CEOs berufen wurden. Der PwC-Bericht untersuchte die Veränderungen an der Spitze der 2.500 größten börsennotierten Unternehmen weltweit.

Die neu berufenen Unternehmenslenker in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Jahr 2016 verfügten mit einem Anteil von 57 Prozent mehr als doppelt so häufig über internationale Arbeitserfahrung als der globale Schnitt. 68 Prozent der DACH-CEOs stammen aus dem Land ihres Unternehmens, 29 Prozent sind aus einem anderen Land derselben Weltregion und nur 4 Prozent der neuen CEOs im deutschsprachigen Raum stammen aus einer anderen Weltregion als die von ihnen geleiteten Firmen.

Nach einer stärkeren CEO-Volatilität im Jahr 2015 mit 16,7 Prozent neu besetzten CEO-Posten gab es 2016 wieder weniger Wechsel auf den Chefsesseln der 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 12,7 Prozent der Chefposten wurden im vergangenen Jahr neu besetzt. "In den 31 österreichischen Unternehmen, die zu den 300 deutschsprachigen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung zählen, gab es nur vier neue Gesichter an der Spitze", so Harald Dutzler, Managing Partner im Büro von Strategy&.

Die niedrige Fluktuation in Deutschland, Österreich und der Schweiz sei vor allem auf einen starken Rückgang der außerordentlichen Vertragsbeendigungen, beispielsweise aufgrund von schlechter wirtschaftlicher Performance, zurückzuführen. In den fünf österreichischen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung fand laut PwC-Studie 2016 kein einziger Wechsel statt. Die DACH-Region wies im internationalen Vergleich die niedrigste CEO-Fluktuationsrate auf.

Die durchschnittliche Amtsdauer der Unternehmenschefs im deutschsprachigen Raum stieg von 6,6 Jahren in 2015 auf 7,8 Jahre im Jahr 2016. Weltweit mussten 14,9 Prozent der CEOs der 2.500 größten börsennotierten Unternehmen ihren Posten räumen. Eine besonders hohe Fluktuationsrate gab es in Brasilien, Russland und Indien mit 17,2 Prozent. Moralische Fehltritte werden Unternehmenslenkern weltweit häufiger zum Verhängnis. Während im Zeitraum zwischen 2007 und 2011 3,9 Prozent der CEOs ihren Job wegen entsprechender Fehltritte verloren, waren es in den Jahren zwischen 2012 und 2016 bereits 5,3 Prozent.

In Westeuropa stieg der Anteil der wegen ethischer Verfehlungen entlassenen CEOs von 4,2 Prozent (2007-2011) auf 5,9 Prozent (2012-2016). Unter ethische Verfehlungen fallen laut Studie unangemessenes bzw. kriminelles Verhalten des CEOs oder von Mitarbeitern, unter anderem Betrug, Bestechung, Insiderhandel und gefälschte Lebensläufe.

Es sei klar, dass sich nicht das Verhalten der CEOs grundlegend geändert habe, sondern das Umfeld, in dem sie agieren, so PwC-Experte Dutzler. Kritischere Beobachtung durch die Öffentlichkeit, schärfere Regulatorien und Echtzeit-Publizität, etwa in sozialen Medien, seien nur einige der Gründe. (apa/red)

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