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Allmählich zeichnen sich die Optionen für FlyNiki ab

Der Aufsichtsrat der insolventen Air Berlin berät zur Stunde über die vorliegenden Angebote. Allmählich zeichnen sich auch die Möglichkeiten für die österreichische FlyNiki ab. Hier der aktuelle Stand.

Nach der grundsätzlichen Entscheidung über die Aufteilung der insolventen Fluglinie Air Berlin beginnt nun die Detailarbeit. Ein Trio solle nun die Verhandlungen mit den Bietern weiterführen und einen Abschluss anstreben, teilte Air Berlin mit. Verantwortlich seien Airlinechef Thomas Winkelmann sowie der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus und Sachwalter Lucas Flöther.

An diesem Montag (25. September) soll dann der Aufsichtsrat über die Angebote beraten. Anschließend werde der Stand der Öffentlichkeit vorgestellt.

Exklusive Verhandlungen über Verkauf der FlyNiki

Wie nach Sitzungen der Gläubigerausschüsse am Donnerstag zu erfahren war, hat die AUA-Mutter Lufthansa große Chancen auf eine Übernahme weiter Teile der Air Berlin. Die Gläubiger verhandeln exklusiv mit dem deutschen Marktführer über einen Verkauf der Österreich-Tochter Niki und weiterer Teile.

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Unklar war zunächst noch, welche weiteren Teile zur Debatte stehen. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hatte jüngst angekündigt, er wolle die 38 bereits angemieteten Mittelstrecken-Maschinen und 20 bis 40 weitere Flugzeuge von Air Berlin kaufen. Kommt es so, übernähme Lufthansa etwa die Hälfte der Flotte.

Kleinere Teile könnten dem Vernehmen nach an die britische Gesellschaft Easyjet gehen, wahrscheinlich komme auch die Thomas-Cook-Tochter Condor, mit der Niki Lauda geboten hat, noch ins Spiel. Die Verhandlungen sollen demnach noch bis zum 12. Oktober dauern.

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Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad weitere finanzielle Unterstützung ausgeschlossen hatte. Ein Bundeskredit über 150 Millionen Euro soll den Betrieb der Air Berlin bis Ende November gewährleisten.

Bis Freitag waren mindestens sechs Angebote für die komplette Fluggesellschaft oder Teile davon eingegangen. Vorerst aus dem Rennen dürften nun die übrigen Bieter sein: die British-Airways- und Iberia-Mutter IAG (International Airlines Group), die Unternehmer Utz Claassen und Hans Rudolf Wöhrl sowie Jonathan Pang, der chinesische Betreiber des Flughafens Parchim.

Der österreichische Ferienflieger Niki zählte bisher zu den begehrtesten Teilen der Air Berlin. An den Langstrecken hatten die Bieter hingegen kaum Interesse.

Air Berlin hat insgesamt mehr als 8.000 Beschäftigte und 144 Flugzeuge. 38 davon samt Besatzungen hat Eurowings schon geleast, die Lufthansa-Billigtochter wirbt bereits neues Personal an. Zeitversetzt läuft der Verkauf der Air-Berlin-Techniksparte mit 850 Beschäftigten in Berlin und Düsseldorf. Air Berlin sammelt noch bis zum 6. Oktober Angebote.

Das Land Berlin arbeitet einem Zeitungsbericht zufolge gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit an einer Transfergesellschaft für Air-Berlin-Mitarbeiter, die nach der Insolvenz und dem Verkauf der Fluggesellschaft keine Chance auf eine Weiterbeschäftigung haben. Dabei sei auch geplant, vor allem Mitarbeitern aus der Berliner Firmenzentrale freie Stellen im Berliner Landesdienst anzubieten, sagte Senatskanzleichef Björn Böhning der "Berliner Morgenpost" (Freitag-Ausgabe).

Air Berlin beschäftigt in der deutschen Hauptstadt etwa 2.800 Mitarbeiter. Für rund die Hälfte, so die derzeitigen Erwartungen, werde es keine Perspektive bei einer anderen Airline geben, heißt es in dem Bericht. Dazu dürften viele Bürokräfte, IT-Fachleute und Verwaltungsmitarbeiter aus der Zentrale in Berlin zählen. Im Land Berlin sind derzeit rund 4.000 Stellen nicht besetzt.

Wie die "Berliner Morgenpost" weiter berichtet, bereitet sich die Flughafengesellschaft für kommenden Montag auf einen chaotischen Tag in Tegel vor. Es werde befürchtet, dass an diesem Tag ein Teil der bisher von Air Berlin betriebenen Flugzeuge am Boden bleiben wird, sagte ein Flughafensprecher der Zeitung. Vermutlich würden vor allem solche Jets nicht starten, die in keinem der Übernahme-Pakete enthalten sind, heißt es in dem Bericht. Die Strecken, die womöglich nicht verkauft sind, würden dann voraussichtlich auch nicht mehr bedient.

Die Flughafengesellschaft arbeitet demnach nun an Szenarien, wie Passagiere informiert und betreut werden können, deren Flüge nicht mehr stattfinden. Auf jeden Fall am Boden bleiben Montag die Langstreckenflüge von Air Berlin. Das Aus für diese Strecken hatte die Fluglinie bereits vor einiger Zeit für den 25. September angekündigt.

Der Verkauf von Air Berlin gilt als politisch heikel - nicht zuletzt wegen der staatlichen Beihilfe. Regierungsmitglieder wie die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich sehr früh dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa große Teile von Air Berlin übernimmt. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hatte sich für den deutschen Branchenprimus starkgemacht und eine Übernahme durch den irischen Rivalen Ryanair abgelehnt. Dessen Chef Michael O'Leary kritisierte das Bieterverfahren als "abgekartetes Spiel" zugunsten der Lufthansa und verzichtete auf ein Angebot.

Die Lufthansa hat sich trotz ihres hohen Marktanteils in Deutschland gute Chancen für eine Übernahme von bis zu 78 der insgesamt 144 Air-Berlin- Flugzeuge ausgerechnet. "Viel mehr werden wir kartellrechtlich gar nicht machen können", sagte Lufthansa-Chef Spohr am Mittwochabend in Frankfurt. Einschließlich aller Umsteigflüge habe die Lufthansa-Gruppe in Deutschland einen Marktanteil von 34 Prozent. Dieser Wert werde auch für die Kartellbehörden entscheidend sein. "Deshalb sind wir optimistisch, dass das, was wir uns vorstellen, genehmigungsfähig ist", sagte Spohr. (APA/dpa/AFP/Reuters/red)