Event-Reporter

Alles zur Fabrik 2015

Am 5. November kürten Fraunhofer Österreich und der INDUSTRIEMAGAZIN Verlag bereits zum 6. Mal die effizientesten Produktionsbetriebe des Landes. Die Finalisten AMS AG, Kremsmüller Industrieanlagen, GE Jenbacher, Infineon Technologies Austria AG und Eaton Austria GmbH traten beim öffentlichen Jury-Hearing gegeneinander an. Die Expertenjury besteht aus Klaus J. Raidl (Präsident der Österreichischen Nationalbank), Wilfried Sihn (Geschäftsführer Fraunhofer Austria), Knut Consemüller (ehemaliges Vorstandsmitglied Böhler-Uddeholm AG) und Hans-Florian Zangerl(Geschäftsführer INDUSTRIEMAGAZIN Verlag). Bewertet werden vor allem die Produktivität und Innovationskraft der Bewerber.

19:15 - 20:20: Die Preisverleihung

INDUSTRIEMAGAZIN Verlags-Chef Hans-Florian Zangerl begrüßt die Teilnehmer und Gäste zur Preisverleihung. Es werden 2 Hauptpreise sowie mehrere Sonderpreise verliehen.

Wilfreid Sihn eröffnet den Preisreigen mit dem Sonderpreis für Umwelt- und Energiemanagement. Bevor er den Gewinner verkündet, erklärt er kurz, weshalb die Entscheidung auf genau diesen Betrieb gefallen ist: Bis 2030 will der Preisträger 30% an Wasser, Energie und Abfall einsparen (die 30 Prozent werden an den Werten von 2010 gemessen). Neben diesen ambitionierten Plänen glänzt das Unternehmen mit einer online Echtzeiterfassung von umweltrelevanten Daten, der Beheizung von Werkshallen mit Abwärme, der Verwendung von LEDs und der Beheizung von Büros nur in Anwesenheit der Mitarbeiter. Weiters wird eine genaue Lebenszyklusbetrachtung der Produkte durchgeführt (Fokus auf Inhaltsstoffe, Reduktion der Energiekosten). Dann verkündet eine Vertreterin der Wiener Wirtschaftsagentur den Preisträger: Der Sonderpreis für Umwelt- und Energiemanagement 2015 geht an die Firma Henkel mit Produktionsstandort in Wien. Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema für das Unternehmen: Eines der Grundprinzipien von Henkel ist, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen.

Als nächstes überreicht Josef Kranawetter den Sonderpreis Industrie 4.0 an GE Jenbacher: Der Konzern kann bereits klare Ergebnisse aus seiner Ausrichtung auf Industrie 4.0 vorweisen und profitiert auf verschiedenen Produktionsebenen von der unternehmensinternen Vernetzung und Digitalisierung.

Der Sonderpreis Instandhaltung wird von Erich Baumann von der mfa überreicht. Dieser Preis wird heuer zum ersten Mal vergeben und geht an die Infineon Technologies Austria GmbH. Die Instandhaltung hat ein schlechtes Image, obwohl sie essentiell für den anhaltenden Erfolg eines Unternehmens ist - für das Siegerunternehmen ist die Instandhaltung jedoch gleichwertig mit der Produktion, die beiden Bereiche gehen Hand in Hand.

Mit dem Preis in der Kategorie Konzerne wird der erste Hauptpreis des Abends vergeben. Die Laudatio hält Michael Augustin, CCO von AON. Vor der Verkündung des Siegers nennt er ein paar bemerkenswerte Daten und Fakten zu den drei nominierten Konzernen GE Jenbacher, Infineon Technologies Austria GmbH und Eaton Industries Austria GmbH. Dann werden die Finalisten gebeten, jeweils zwei Vertreter auf die Bühne zu schicken. Da die Konzerne alle sehr eng beieinander liegen, gibt es dieses Jahr zwei 2. Plätze: GE Jenbacher und Eaton. Damit geht der Sieg an den Infineon-Konzern, der mit seinen Entwicklungen und Innovationen weit die Industrielandschaft weit über die Grenzen Österreichs hinaus beeinflusst.

Zum Abschluss wird der Preis in der Kategorie Unternehmen überreicht. Er wird von Dr. Claus Raidl präsentiert, der bei seiner Laudatio die Lacher auf seiner Seite hat. Vor der Verkündung des Siegers stellt er noch einmal die beiden nominierten Unternehmen ams AG und Kremsmüller Industrieanlagen vor und hebt deren Erfolge und Qualitäten hervor. Dann werden jeweils drei Vertreter der Nominierten auf die Bühne gebeten und der Sieger verkündet: Auch hier war es eine knappe Entscheidung, aber der Preis geht an die ams AG.

18:15: Die Jury zieht sich zur Beratung zurück

17:32: Eaton Industries Austria GmbH

Jürgen Kolar, Prokurist und Plant Manager, beginnt ebenfalls mit einem Überblick über den Konzern. Eaton besteht aus einem Industrial Sector (35%) und einem Electric Sector (65%). Der seit 2008 zum Konzern gehörende Standort Schrems ist Teil des Electric Sectors. Die Konzern-Ziele sind sichere und nachhaltige Energiemanagement-Lösungen, attraktive Rendite für Aktionäre, sowie die Anwendung des Eaton Business Systems (EBS) für profitables Wachstum.

Sowohl der Konzern als auch der Standort Schrems haben eigene "How to win"-Strategien. In Schrems bedeutet das unter anderem "0 Unfälle, 0 Fehler, Kundenfokus und 0 Verschwendung". Im Strategiefindungs-Prozess hat man 5 Werksziele definiert (Sicherheit, Qualität, Bestände, Lieferperformance, Produktivität).

Ein Schwerpunkt liegt auf der Unternehmenskultur. Eaton Schrems forciert die Beteiligung und Motivation der gesamten Organisation durch Roundtables und regelmäßige Werksversammlungen, flexible Schichten, integrierte Lehrlingsausbildung. Kolar ist besonders stolz auf die technische Ausbildung von Frauen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Automatisierung und Industrie 4.0. Unter anderem wurden im letzten Jahr manuelle Designs automatisiert und manuelle Tätigkeiten auf Roboteranlagen umgelegt. Das Equipment für diese Änderungen ist großteils "made in Schrems", wodurch man über relativ große Autonomie verfügt. Die Umstellung auf Industrie 4.0 führte unter anderem zu Kostenreduktion, Qualitäts- und Kapazitätssteigerung, einfacherer Kontrolle und Traceability. Weiters können so alle Betriebsdaten digital erfasst werden.

Zurzeit kann der Konzern 65 Prozent Verbesserung im Bereich Automatisierung pro Jahr vorweisen, dadurch kann man knapp 5 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Der Fokus für die Zukunft liegt auf continuous improvement (Konzernweit, Standortweit, Mitarbeiter, Führung - Feedback-Kultur).

16:58: Vortrag und Hearing von Infineon Technologies Austria GmbH

Dr. Thomas Reisinger, Vorstand für Operations in Österreich, beginnt mit einem Konzernüberblick. Der Konzern beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter weltweit. In Österreich hat Infineon über 3000 Mitarbeiter und setzt jährlich rund 1,3 Millionen Euro um. Der Standort in Villach sticht dabei im Konzern heraus, weil alle Kompetenzen (Forschung, Entwicklung, Fertigung) gebündelt und vernetzt sind. Als Produkthighlights werden Siliziummikrofone für Smartphones, Microcontroller für die Automobilindustrie, Energiesparchips und Chips für elektronische Pässe angeführt.

Reisinger erklärt, dass 25% der Ausgaben auf Forschung und Entwicklung entfallen. Neben der Forschung forciert Infineon "Smart Factory" und Industrie 4.0 (neuer Gebäudekomplex komplett auf Industrie 4.0 ausgerichtet).

Ziel des Konzerns ist es, die Energieeffizienz zu erhöhen und Systeme (beispielsweise Netzteile) weiter zu verkleinern.

In der Produktion zielt man auf die Erhöhung des Kundennutzens durch Innovation und Produktivität ab. Als Beispiel wird hier die Dünnwafer Technologie genannt: je dünner die Scheiben, desto geringer sind die Verluste. Das Ziel ist eine jährliche Produktivitätssteigerung von 5 Prozent. Um das zu erreichen, soll noch mehr aus den Anlagen herausgeholt werden und zusätzlich Kosten gesenkt werden.

16:07: Vortrag und Hearing GE Jenbacher GmbH & Co. OG

Martin Mühlbacher, Standortleiter Jenbach, präsentiert die Highlights und beginnt mit einem Zitat von Thomas Edison: "Lass uns zuerst schauen, was die Welt braucht, dann werde ich es erfinden."

GE beschäftigt zurzeit 300.000 Mitarbeiter in 175 Ländern. Das Unternehmen ist in 8 Geschäftsbereichen tätig. Der mit Abstand wichtigste und umsatzstärkste Bereich ist "GE Power", zu dem auch GE in Jenbach gehört: die Population wächst stetig und der Energiebedarf wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Deshalb sind Gasmotoren (Wirkungsgrad Stand 2015: 50,1% im Testumfeld) zur Stromerzeugung einer der Kernbereiche bei GE. Ziel des Konzerns ist es, eine weltweite Stromversorgung zu erreichen und zu sichern.

2015 kann das Unternehmen eine Produktivität von 7,2 Prozent vorweisen. Dieser Erfolg liegt für Mühlbacher unter anderem an der Umstellung des Produktionsprozesses von Standmontage auf Fließfertigung, die Verbesserungen für alle Produktionsbereiche und höhere Flexibilität mit sich brachte. Zusätzlich setzt Jenbacher stark auf Industrie 4.0 (unternehmensintern als 'brilliant factory' bezeichnet): Ziel ist es, Hardware mit Software und den Menschen zu verbinden. Alles ist vernetzt und digitalisiert, von der Bestandserfassung über Produktionsanlagen bis hin zur automatisierten Qualitätssicherung. 

Weiteres Kernthema für GE ist Smart Energy Management. Das Unternehmen ist vollkommen autark, mit der 'überschüssigen' Energie verdient man zusätzlich Geld und will in Zukunft benachbarte Betriebe und Einrichtungen versorgen. Durch dieses Energiemanagement kann man einen großen Teil der Betriebskosten einsparen.

Konzernintern hat man mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen, wie z.B. die hohen Kosten für Energie und andere Nebenposten. Dafür kann GE in Jenbach vom Know-how der Mitarbeiter (eigene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen) und der Nähe zur Entwicklungsabteilung profitieren. 

16:05: Beginn 2. Teil - Kategorie Konzerne

15:36 - 16:05: Pause

14:51: Vortrag und Hearing Kremsmüller Industrieanlagen: Apparate-, Tank- und Spezialbehälterbau

G. Kremsmüller stellt kurz das Unternehmen vor. Das Unternehmen steht zu 100% Familieneigentum und beschäftigt 2400 Mitarbeiter. Schwerpunkte des Unternehmens sind bislang unter anderem Rohrleitungs- und Pipelinebau sowie Montagedienste. Der Apparatebau ist noch ein "Junior-Bereich" mit nur 14 Prozent des Gesamtumsatzes, wird aber gerade stark forciert: das Ziel von Kremsmüller sind einzigartige Materialkompetenz, kurze Durchlaufzeiten und kosteneffiziente Fertigung.

Da das Unternehmen sehr viele unterschiedliche Projekte verfolgt und kein Serienfertiger ist ("Sie sind sozusagen ein 'Maßschneiderer'?"), sind Optimierung und Automatisierung besondere Herausforderungen. Dabei hilft das Zerlegen der Projekte in Einzelprozesse, die sich oft produktübergreifend ähneln. Diese Prozesse werden optimiert (Innovationen, Forschung, neue Maschinen, andere Abläufe) mit dem Ziel "Maximale Automatisierung und Digitalisierung innerhalb der Prozessschritte, maximale Flexibilität zwischen den Prozessschritten."  Das wird in der Präsentation anhand ausgewählter Beispiele aufgezeigt.

Zum Abschluss wird die Case Study "Kaunertal" vorgestellt, bei der Material individuell für das Projekt entwickelt wurde,

14:10: Vortrag und Hearing ams AG: "Shaping the world with sensor solutions"

Die ams AG hat 20 Minuten, um die Jury von sich zu überzeugen. Den Anfang der Präsentation macht ein Video über die Produkte und Philosophie des Unternehmens. Danach werden Kennzahlen und Key-Facts zum Unternehmen gezeigt. Highlights: Medical Imaging, Automotive-Bereich, Marktführer bei Lichtsensoren und MEMS Mikrofone, setzt auf starkes Umweltmanagement.

Das Unternehmen ist hier insbesondere wegen der Wafer Fabrication im Wettbewerb vertreten. Grundprinzipien für ams: man will sich immer mit sich den Größten der Welt messen und forciert neben Innovationen vor allem Waste Reduction.

Bei der Vorstellung der Produktionsstrategie werden 2 Aufgaben besonders hervorgehoben: Variabilitäten reduzieren durch Equipment-Überwachung sowie die richtigen Entscheidungen am Shopfloor treffen. Nur damit könne man die besten Ergebnisse für die Kunden erreichen. Dieser Fokus wirkt sich auf die Produkt-Qualität aus: die Fehlerraten sehr gering gehalten werden können. Auch die Produktivität konnte durch diese Strategie innerhalb der letzten 3 Jahre um 18 Prozent gesteigert, während die Produktionskosten im gleiche Zeitraum um rund 18 Prozent gesenkt wurden. Auch die Umsätze entwickeln sich entsprechend und konnten in den letzten Jahren verdreifacht werden. Consumer-Elektronik macht größten Teil des Umsatzes aus, da beispielsweise in Smartphones immer mehr Sensoren gebraucht werden - deshalb konzentriert man sich auf die Produktion von Sensoren, da dieser Bereich in den nächsten Jahren weiter wachsen wird.

Hearing-Highlights:

"Nein, wir produzieren keine Sensoren für VW."

"Ph.D-Ingenieure sind super in der Entwicklung, aber an die Maschinen lassen wir sie noch nicht."

Österreich ist klar der Hauptstandort, aber es gibt zu wenige Entwicklungsingenieure im Land. Deshalb muss man teilweise ins Ausland gehen.

Forschungsquote von 18%, ams AG ist regelmäßig unter den Top-Forschungsbetrieben in Österreich.

"5-10 Prozent Produktivitätssteigerung sind nötig, um in der Halbleiter-Branche überleben zu können."

"Technische Karriereleiter" zur Förderung der technischen Mitarbeiter.

13:50: Eröffnung der Fabrik 2015

Moderatorin Christine Lemmerer bittet INDUSTRIEMAGAZIN Verlags-Chef Hans-Florian Zangerl auf die Bühne. Er erklärt kurz die Hintergründe des Wettbewerbs und stellt die Jury vor. Danach betritt Jürgen Minichmayr von Fraunhofer die Bühne, der kurz Fraunhofer Austria vorstellt und danach Highlights des Bewerbes und die Nominierten präsentiert. Besonders im Fokus stehen dieses Jahr Instandhaltung, Managementsysteme und Kennzahlen, Umwelt- und Energiemanagement und Industrie 4.0.