Luftfahrt

Alitalia in Schieflage: Rom will Fluggesellschaft nicht verstaatlichen

Rom schließt die Verstaatlichung der schwer angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalias aus - dies sei Sache der Aktionäre. Flüge seien vorerst garantiert, hieß es.

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Nachdem die Belegschaft einen Rettungsplan für die Alitalia abgelehnt hat, schließt die Regierung in Rom eine Verstaatlichung der italienischen Airline aus. "Es ist ausgeschlossen, dass der Staat Geldmittel in die Alitalia stecken wird, die eigentlich die Privataktionäre der Fluggesellschaft zur Verfügung stellen wollten", so Industrieminister Carlo Calenda.

Laut dem Rettungsplan hätten die Aktionäre zwei Milliarden für Alitalias Neustart locker machen wollen. Die Hoffnung, dass Alitalia verstaatlicht werden und dass die Staatskassen die Schulden der Airline eindämmen könne, sei haltlos, weil das die EU-Regeln nicht erlauben würden. Auch die Italiener und die Regierung seien gegen die Verstaatlichung, argumentierte der Minister im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Alitalias Flugbetrieb bleibe aufrecht.

Die Alitalia startet jetzt mit den Insolvenzprozeduren. Die Fluggesellschaft soll unter Aufsicht eines Sonderverwalters gestellt werden. Dieser könnte die Auflösung der Fluglinie beschließen oder sich auf die Suche nach Interessenten machen. Nicht ausgeschlossen wird, dass die ehemalige staatliche Airline zerstückelt verkauft wird.

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"Die Fluggesellschaft wird dem Interessenten mit dem besten Angebot verkauft"

"Für Alitalia wird es keine Rettung geben, es gibt kein Zurück. Die Fluggesellschaft wird dem Interessenten mit dem besten Angebot verkauft", betonte Verkehrsminister Graziano Delrio. Gerüchte, nach denen Lufthansa Alitalia übernehmen könnte, wollte der Minister nicht kommentieren. "Beschlüsse zum Verkauf stehen den Aktionären zu", so Delrio. Alitalia könne in maximal sechs Monaten verkauft werden. Mehrere Billig-Airlines spitzen auf die Europa-Flugrouten der Italiener.

Arbeitsminister Giuliano Poletti erklärte sich wegen den Auswirkungen von Alitalias Insolvenz auf die Beschäftigung besorgt. Gefährdet seien bei der Airline und bei den Zulieferern 20.000 Jobs, warnte Poletti. Die Airline beschäftigt zurzeit 12.000 Mitarbeiter, die Anfang dieser Woche mehrheitlich den Rettungsplan abgelehnt haben.

Alitalia schreibt seit vielen Jahren Verluste. Auch der Einstieg der Golf-Airline Etihad mit einer Beteiligung von 49 Prozent und Finanzspritzen des Anteilseigners halfen nicht. 2016 lief ein Verlust von 460 Mio. Euro auf, auch für heuer wird ein Minus von mehreren hundert Millionen Euro erwartet. In den letzten Jahren hat Alitalia die Konkurrenz von Low-Cost-Gesellschaften stark zu spüren bekommen. Auch der Erfolg der Hochgeschwindigkeitszüge auf der für Alitalia einst sehr rentablen Strecke Rom-Mailand hat der Fluggesellschaft große Einnahmenrückgänge verursacht. (apa/red)