Atomkraft

AKW Pacs: "Keine Alternative zu Russland"

Beim Ausbau des ungarischen Atomkraftwerks Paks ist nur ein Vertrag mit dem russischen Anbieter Rosatom infrage gekommen. Dafür hagelt es Kritik.

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Es habe keine Alternative zu Russland gegeben sagte der ungarische Regierungssprecher Zoltan Kovacs in Wien vor Journalisten. Grund sei gewesen, dass die jetzt bestehenden Reaktorblöcke sowjetischer Bauart seien und eine Mischung mit anderen Technologien "gefährlich" gewesen wäre.

Im Jänner 2014 hatte der ungarische Regierungschef Viktor Orban in Moskau überraschend ein Abkommen über den Bau von zwei weiteren Reaktorblöcken durch das staatliche Unternehmen Rosatom für das 120 Kilometer südlich von Budapest liegende Atomkraftwerk unterzeichnet. Die Vereinbarung, die ohne Ausschreibung und öffentliche Konsultation zustande gekommen war, hatte im In- und Ausland für viel Kritik gesorgt. Man warf der ungarischen Regierung insbesondere vor, sich von Russland weiter abhängig zu machen.

Kovacs vertritt eine andere Meinung. Der Ausbau des AKW Paks trage zur Energiesicherheit seines Landes bei: "Das Kraftwerk steht auf ungarischem Boden - abgesehen von der Technologie ist es ein ungarisches Projekt." Auf dem Öl- und Gassektor sei Ungarn allerdings "aus historischen Gründen" fast vollständig von russischen Energielieferungen abhängig.

Bezüglich des Konflikts zwischen Ungarn und der EU-Kommission wegen des Projekts Paks wiederholte Kovacs seine Kritik an der britischen Zeitung "Financial Times", die von einer "Blockade" des Baus durch die Kommission berichtet hatte. "Da hat die 'Financial Times' Politik gemacht." Man hoffe aber, "dass wir eine Klage vermeiden können". Eine Blockade des Deals war von Brüssel wie von Budapest dementiert worden. Laut ungarischen Medienberichten geht es bei dem Konflikt offenbar um die Dauer dessen, wie lange ausschließlich der russische Hersteller Brennstäbe für Paks liefern darf. Kovacs kommentierte den Konflikt inhaltlich nicht, hofft aber auf einen "Kompromiss innerhalb der nächsten Wochen".

Der Regierungssprecher wies weiters den Vorwurf zurück, dass Budapest im Konflikt mit Russland wegen der Ukraine innerhalb der EU einen pro-russischen Kurs vertrete. "Ungarn ist überzeugt davon, dass es einen Konsens bezüglich der Sanktionen geben sollte." Der ungarische Botschafter Janos Perenyi verglich bei dem Journalistengespräch die Position Budapests bezüglich dieser Maßnahmen mit jener Österreichs: "Sanktionen sind keine gute Idee." Kovacs warf Kritikern vor, sie würden in dieser Frage ausschließlich Ungarn attackieren, obwohl andere Länder eine ähnliche Politik verfolgten. (apa)

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