Nach dem Cyberangriff

Aktionäre fordern "personelle Konsequenzen" bei FACC

Nach dem spektakulären Cyber-Betrugsfall beim Luftfahrtzulieferer FACC fordern Anlegervertreter mehr Informationen - und Entlassungen. Im Gespräch ist in diesem Zusammenhang die Position der Finanzchefin Minfen Gu. Der Hersteller befindet sich mehrheitlich in chinesischen Hand.

Nachdem der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC durch einen Betrug 50 Mio. Euro Schaden erlitten haben dürfte, fordern Aktionäre Aufklärung. "Das schließt auch personelle Konsequenzen mit ein", sagte Anlegervertreter Wilhelm Rasinger gegenüber dem "WirtschaftsBlatt". Der Aufsichtsrat tagt am Dienstag. Laut dem Artikel würden Insider die Ablöse von Minfen Gu erwarten. Die Managerin ist als Finanzvorstand bei FACC tätig. Der Hersteller befindet sich mehrheitlich in chinesischem Besitz.

Am 20. Jänner hatte FACC über den Betrug informiert, zu Details hielt sich das Unternehmen aber unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft bisher bedeckt. Bekannt ist nur, dass die Finanzabteilung betroffen und das Geld unter anderem auf Konten in Asien und eines in der Slowakei überwiesen sein soll - offenbar nach fingierten E-Mails. Medien spekulieren, dass sich der Täter als Vorgesetzter ausgegeben und so die Transaktionen veranlasst haben könnte.

Rasinger pocht auf eine ganz andere Informationspolitik - die Akteuren wie ihm sehr viel mehr Informationen zukommen lassen soll. "FACC agiert eher wie ein technikergeführtes KMU als ein börsenotiertes Unternehmen. Die Verantwortlichen sind sich anscheinend nicht der Größe und Bedeutung ihres Unternehmens bewusst", kritisiert er und verlangt, "dass die Sache aufgearbeitet und die Öffentlichkeit informiert wird".

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"Wie ist das Unternehmen im Finanzbereich aufgestellt?"

Sollte das Management keine Vorkehrungen gegen Cyber-Kriminalität getroffen haben, könnte der Fall sogar strafrechtliche Relevanz haben, betonte Rasinger. "Da fragt man sich schon, wie das Unternehmen im Finanzbereich aufgestellt ist und wo das Leck war. Die Verantwortung liegt hier beim Finanzchef."

Friedrich Huemer, Vorstandschef des börsenotierten Autozulieferers Polytec und FACC-Aktionär, schließt sich der Forderung nach Aufklärung an: Es müsse neben der "offensichtlich großen kriminellen Energie von außen" auch intern zu Unregelmäßigkeiten oder grob fahrlässigem Verhalten gekommen sein, vermutet er angesichts des hohen Schadens. "Die Verantwortlichen sollten umgehend zurücktreten oder abberufen werden", fordert Huemer. Sollte es zu einer Klage der Aktionäre kommen, würde er sich ihr aus heutiger Sicht anschließen. (apa/red)