Arbeitsmarkt

AK: Jeder Mitarbeiter bringt Firmen 38.000 Euro Gewinn

Die Beschäftigten großer österreichischer Unternehmen haben nach Zahlen der Arbeiterkammer um 38.047 Euro pro Kopf mehr erwirtschaftet, als das Unternehmen Löhne und Abgaben zu zahlen hatte. Die Industrie sieht das anders.

Die Beschäftigten großer österreichischer Unternehmen haben laut dem Wertschöpfungsbarometer der Arbeiterkammer (AK) OÖ 2017 um 38.047 Euro pro Kopf mehr erwirtschaftet als gekostet. Davon wurden demnach 13.711 Euro an die Eigentümer ausgeschüttet, 15.115 Euro flossen in Sachinvestitionen - zu viel Ausschüttung, zu wenig Investition, kritisierte Präsident Johann Kalliauer.

Das AK-Wertschöpfungsbarometer basiert auf den Bilanzen von 1.372 mittleren und großen Unternehmen, die über knapp 700.000 Mitarbeiter beschäftigen. Demnach lag der durchschnittliche Aufwand pro Mitarbeiter 2017 bei 63.512 Euro, die durchschnittliche Wertschöpfung bei 101.559 Euro, was einen Überschuss von 38.047 Euro pro Vollzeitäquivalent ausmacht. Kalliauer sieht daher ausreichend Spielraum für Anliegen der Arbeitnehmer - wie einen Mindestlohn von 1.700 Euro, eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung oder eine sechste Urlaubswoche.

Die AK kritisiert, dass die Ausschüttungen an die Eigentümer im Durchschnitt zehn Prozent, bei einem Viertel der Unternehmen sogar mehr als 20 Prozent des Eigenkapitals ausmachten. "Rekordverdächtig" ist laut AK die 2001 privatisierte Austria Tabak, die 685.000 Euro pro Mitarbeiter - insgesamt 159 Mio. Euro - an ihre Eigentümer zahlte, aus dem Gewinn 2017 sollen wieder 114 Mio. Euro fließen, rechnete Reinhard Brachinger vom Kompetenzzentrum Betriebliche Interessenvertretung der AK OÖ vor. Besonders bitter sei es aber, wenn mit den Zahlungen - wie etwa bei Siemens Österreich (40.639 Euro pro Beschäftigtem) - ein Jobabbau verbunden sei.

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Industrie ortet "ideologisch geprägte Mär"

Die Industrie sieht in den Kritikpunkten der AK eine "ideologisch geprägte Mär". Es stimme einfach nicht, dass Unternehmen mit Ergebnisausschüttungen ausschließlich ihre Eigentümer bedienen und damit weniger Kapital für betriebliche Zukunftsinvestitionen zur Verfügung hätten, reagierten der Präsident des Aktienforums, Robert Ottel, und der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, in einer Aussendung.

"Investitionen in Unternehmen brauchen Eigenkapital. Dieses wird nur dann durch Investoren bereitgestellt, wenn diese eine entsprechende Rendite erwarten können", sieht Neumayer in niedrigen Ergebnisausschüttungen sogar eine "Bedrohung für Arbeitsplätze in Österreich". (apa/red)