​Rüstungsindustrie

Airbus will einen Teil der Militärsparte "Orlando" doch nicht verkaufen

Airbus verhandelt auf Hochtouren einen Verkauf seiner Militärsparte - doch die Technologie für Grenzsicherung will der Konzern jetzt doch behalten. Auch wenn Airbus das leugnet: In Zeiten der Flüchtlingskrise ist das Geschäft an den Grenzen offenbar zu lukrativ.

Der Flugzeugbauer Airbus hält nun doch an seinem Geschäft mit Grenzsicherungstechnik fest. Die Fertigstellung bestehender Aufträge in Saudi-Arabien habe sich verzögert, heißt es in einem Brief von Airbus-Rüstungschef Bernhard Gerwert und seinem designierten Nachfolger Dirk Hoke an die Mitarbeiter.

"Deshalb hat sich Airbus Defence and Space entschlossen, das Border-Security-Geschäft aus dem Verkaufspaket herauszulösen und bei Airbus Defence and Space zu belassen", schreiben die beiden. Die zugehörigen Mitarbeiter blieben im Haus. Eine chronologische Übersicht zum Verkauf der Militärsparte "Orlando" von Airbus finden Sie hier.

Der Deal rund um Militärsparte "Orlando" wird umgeschichtet

Ursprünglich sollte das Geschäftsfeld zusammen mit anderen Rüstungselektroniksparten wie Radar- und Zielerfassungstechnik als Gesamtpaket verkauft werden. Eigentlich wollte Konzernchef Tom Enders das auf einen Kaufpreis von rund 1 Milliarde Euro bezifferte Paket bis Ende vergangenen Jahres versilbert haben, doch die Verhandlungen ziehen sich hin.

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Die Hauptinteressenten sind die Finanzinvestoren KKR und Carlyle. Wie von INDUSTRIEMAGAZIN.at hier gemeldet, hat zuletzt auch Berlin massive Bedenken an dem Deal geäußert. Die deutsche Bundesregierung hat offenbar Zweifel zu Fragen rund um den Erhalt von Sicherheitstechnologie und entsprechenden Arbeitsplätzen in Deutschland.

Mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge lässt sich aus dem abgeblasenen Spartenverkauf bereits die Handschrift von Hoke herauslesen, der sich seit einigen Monaten bei Airbus einarbeitet und im April Gerwert beerben wird. Das Grenzsicherungsgeschäft soll neue Aufträge an Land ziehen.

Airbus streitet einen Zusammenhang mit Flüchtlingskrise ab

Airbus will den Schritt allerdings nicht mit dem seit Monaten stattfindenden Ansturm Einwanderungswilliger an den Außengrenzen der EU in Verbindung bringen. "Dieser Schritt hängt nicht mit einer möglichen neuen Konjunktur für Grenzsicherung zusammen, sondern nur mit einer Erleichterung des Verkaufsprozesses", erklärte ein Firmensprecher.

Airbus liefert ohnehin keinen Stacheldraht, sondern elektronische Überwachungstechnik und vernetzte Systeme zur Beobachtung ungesicherter Grenzen. Die wichtigsten Kunden waren bisher Saudi-Arabien, Katar und Rumänien. In den vergangenen Jahren lief das Geschäft allerdings eher schleppend.

Den restlichen Bereich seiner Rüstungselektronik, vor allem Radar- und Zielerfassungstechnik, will Airbus dem Schreiben zufolge wie vorgesehen abgeben. Der Verkaufsprozess werde "planmäßig weitergeführt und kurzfristig zum Abschluss gebracht", hieß es. (reuters/apa/red)