Luftfahrtindustrie

Airbus-Vorstand: Boeing bekommt seine Probleme bald in den Griff

Der europäische Flugzeugbauer verkauft die erfolgreiche Baureihe A321 jetzt mit einer etwas größeren Reichweite. Beim Erzrivalen Boeing sei nach großen Turbulenzen um die Steuerungssoftware MCAS jetzt Besserung in Sicht, meint Airbus-Vertriebsvorstand Christian Scherer.

Der neue Airbus-Verkaufschef will mit einer neuen Version des A321 mit größerer Reichweite bei den Kunden des europäischen Flugzeugbauers punkten.

Die Nachfrage nach einem Airbus A321, der auch längere Strecken fliegen kann, steige, sagte Christian Scherer in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Seine Antwort sei: "Wir werden euch die größtmögliche Reichweite für den A321 geben. Wie viele davon hättet ihr gerne?" Scherers Äußerungen lassen drauf schließen, dass Airbus den seit langem erwarteten A321 XLR bereits still und heimlich auf den Markt gebracht hat. Der Airbus A321 wird bisher nur auf der Kurz- und Mittelstrecke eingesetzt.

Baureihe richtet sich direkt gegen Boeings 737 MAX

Mit der neuen Version des Verkaufsschlagers könnte Airbus besser gegen die Boeing 737 MAX, aber auch gegen den neuen Mittelklasse-Jet antreten, den der US-Rivale auf den Markt bringen will. Unternehmenskreisen zufolge gibt es für den A321 XLR schon mehrere Bestellungen.

Scherer betonte aber, Airbus wolle mit dem Ausbau der Produktpalette kein Kapital aus der Krise um den A321-Konkurrenten Boeing 737 MAX schlagen. Zuletzt waren zwei Passagiermaschinen des Typs wegen technischer Probleme abgestürzt. Die 737 MAX darf deshalb derzeit praktisch weltweit nicht mehr fliegen. "Ich werde sicher kein Verhalten unterstützen, das diese Situation auszunutzen versucht. Das gehört sich nicht", sagte er. Er erwarte, dass der US-Rivale das Problem mit der 737 MAX rasch in den Griff bekomme.

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Boeing drosselt gerade seinee Produktion

Während Boeing die Produktion von Kurzstrecken-Flugzeugen wegen der 737-MAX-Krise um zehn auf 42 pro Monat gedrosselt hat, will Airbus den Ausstoß vom nächsten Jahr an auf 63 von 57 A320 und A321 erhöhen. Pläne, die Produktion auf 70 zu steigern, hat der französisch-deutsche Konzern zunächst gestoppt, vor allem weil die Triebwerkshersteller und andere Zulieferer damit nicht Schritt halten könnten. Die Nachfrage nach mehr als 63 Maschinen sei aber vorhanden, sagte Scherer. "Ich habe die Zahl schon mal gehört und ich sehe die Logik dahinter." Wer heute ein Airbus-Kurzstreckenflugzeug bestellt, muss sieben Jahre darauf warten.

Dagegen ist Boeing Airbus bei Langstreckenflugzeugen seit zwei Jahren weit voraus. Scherer glaubt aber an den A330neo, der es derzeit gegen die Boeing 787 schwer hat: "Ich nehme eine Wette an, dass es in einem Jahr keine Zweifel mehr am A330 geben wird."

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Scherer: Ein in Deutschland aufgewachsener Franzose

Der in Deutschland aufgewachsene Franzose Scherer hatte im September die Nachfolge des Amerikaners John Leahy angetreten, der 25 Jahre lang Verkaufschef von Airbus war. "Wir werden unsere Position verteidigen. Aber in Zukunft ist das Spiel ein anderes als in einer Zeit, in der Airbus seinen Marktanteil von 20 auf 50 Prozent schrauben musste", sagte er.

Marktanteile zu gewinnen sei nicht mehr das primäre Ziel. "Ob ich einen guten Tag habe bemisst sich nicht daran, sondern daran, dass die Kunden zufrieden sind, dass ich Geld verdiene und dass ich die Kosten unter Kontrolle habe." Bis in die jüngste Vergangenheit hatten die Erzrivalen Boeing und Airbus auch unter Inkaufnahme geringerer Margen um die Marktführerschaft gekämpft. (reuters/apa/red)

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