Nahrungsmittelindustrie

Agrana setzt vermehrt auf Produktion von Biokraftstoffen

Verluste im Segment Zucker sind der Grund dafür, dass der Nahrunsmittel- und Industriegüterkonzern Agrana jetzt vermehrt auf die Produktion von Bioethanol setzen will.

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Verluste im Segment Zucker sind der Grund, dass der Nahrungsmittel- und Industriegüterkonzern Agrana seine Strategie neu justiert: Der Ausbau der Weizenstärkeanlage in Pischelsdorf soll die Bioethanolproduktion im wachsenden Stärkesegment fördern. Auch ein neues Betain-Werk soll im nächsten Jahr in Betrieb gehen, teile das Unternehmen am Donnerstag mit.

Niedrige Zuckerpreise, geringer Absatz

Im Segment Zucker setzen die niedrigen Zuckerpreise und geringen Absatzmengen dem Unternehmen weiterhin zu. Der operative Verlust eröhnte sich von 4,1 auf 18,7 Mio. Euro. Die aktuellen Herausforderungen am Weltzuckermarkt führte Vorstandsmitglied Fritz Gattermayer auch am Beispiel Indiens an. Die hohen Absatzmengen durch massive Subventionierung der Landwirtschaft würden sich nicht mehr im legalen Rahmen bewegen. "Wenn die europäische Union eine ähnliche Zuckerpolitik machen würde, dann würde es ein WTO-Verfahren mit einem Schuldspruch geben", erklärte Gattermayer.

Die Marktentwicklungen im Segment Frucht blieben hinter den Erwartungen, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel hier im ersten Halbjahr ebenfalls um 23 Prozent auf 36 Mio. Euro. Durch die Zolldiskussionen zwischen den USA und China konnten laut Gattermayer zumindest der US-amerikanische Markt bei Fruchtsaftkonzentraten "mit höheren Preisen stärker bedient werden". Neben den USA soll auch Japan verstärkt in den Fokus dieses Segments rücken.

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Das Segment Stärke wuchs mit einem Umsatzplus von 10 Prozent auf 408 Mio. Euro und einer Steigerung des Ebit um 69 Prozent auf 34,3 Mio. Euro an. Hier profitiert die Agrana unter anderem von einem hohen Ethanolpreis. Die Agrana produziert in ihrer Weizenstärkeanlage in Pischelsdorf (NÖ) jährlich 535.000 Tonnen Bioethanol. Insgesamt verarbeitet das Werk 835.000 Tonnen an Rohstoffen. Der Ausbau der Anlage soll Ende November in Betrieb gehen und die Produktionsmenge auf 1.190.000 Tonnen erhöhen.

Bio-Kraftstoff

Bei der Erzeugung von Bioethanol, setzt Agrana auf die vollständige Verwertung von Futtergetreide-Überschüssen. "Wir verfolgen mit Nachdruck eine nachhaltige Verwertung unserer Rohstoffe", beteuert Konzernchef Johann Marihart. Der Agrana-Chef betonte die umweltschonenden Vorteile einer 10-prozentigen Beimischung in Benzinkraftstoffe. Derzeit werden nur 5 Prozent beigemischt. Die Agrana exportiert 60 Prozent ihrer Bioethanol-Produktion und könnte nach eigenen Angaben eine erhöhte Nachfrage in Österreich abdecken.

Die Fertigstellung eines neuen Betain-Werks in Tulln soll im Frühsommer 2020 erfolgen. Investiert wurden rund 40 Mio. Euro. Dort sollen jährlich 8.500 Tonnen kristallines Betain produziert werden. Das entspricht einem Drittel des weltweiten Marktvolumens. Natürliches Betain wird aus Zuckerrübenmelasse gewonnen und dient der Erzeugung von Futtermitteln, Kosmetik und Nahrungsergänzungsmitteln.

Keine Neuigkeiten gibt es bezüglich möglicher Zukäufe von Zuckerfabriken in Serbien. Durch die angespannte Lage am Zuckermarkt wurden Gespräche mit den Verkäufern "nicht abgebrochen, aber vorerst ausgesetzt", so Konzernchef Marihart.

Das erwartete Investitionsvolumen für das Halbjahr 2019/20 liegt mit 68,1 Mio. Euro deutlich unter den 82,7 Mio. Euro des Vergleichszeitraumes im Vorjahr. Im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2019/20 erwartet sich die Agrana einen "deutlichen Anstieg des Ebit" und einen moderaten Zuwachs beim Konzernumsatz. Das Investitionsvolumen in allen drei Segmenten soll dann bei 140 Mio. Euro liegen. (APA/red)

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