Erdgas

Aggressives Vorgehen der Türkei vor Zypern: Paris schickt Flugzeugträger

Die Regierung der Türkei lässt direkt vor der Küste des EU-Mitglieds Zypern nach Erdgas bohren - während das türkische Militär den Nordteil der Insel seit 1974 besetzt hält. Nun verstärkt die französische Kriegsmarine die Präsenz in der Region.

Vor dem Hintergrund andauernder Spannungen um die Ausbeutung unterseeischer Erdgasvorkommen vor Zypern zeigt Frankreich Flagge in der Region. Am Freitag lief der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle im zypriotischen Hafen von Limassol ein. Zuvor habe das Flaggschiff der französischen Kriegsmarine Manöver zusammen mit zypriotischen Einheiten durchgeführt, berichtete das zypriotische Staatsfernsehen (RIK).

Als Grund für die spektakuläre französische Militärpräsenz in Zypern gilt die Entdeckung von unterseeischen Erdgasvorkommen südlich von Zypern. Das französische Energieunternehmen Total ist an den Erkundungen beteiligt.

Diese Erdgasvorkommen haben zu schweren Spannungen zwischen Ankara und Nikosia geführt. Die Türkei erkennt Zypern nicht an und lehnt die Suche nach Erdgas vor einer Lösung der Zypern-Frage und ohne die Zustimmung der türkischen Zyprioten ab. Türkische Schiffe befinden sich als Reaktion ohne die Genehmigung der Regierung in Nikosia in der Region südlich und westlich der Mittelmeerinsel und erkunden dort Rohstoff-Lagerstätten.

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Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly hatte vergangene Woche die Inselrepublik besucht und der Regierung unter Präsident Nikos Anastasiades die Solidarität Frankreichs im Streit mit der Türkei um die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) ausgesprochen. Auch die EU hat wiederholt die türkischen Aktionen verurteilt und droht der Türkei mit Sanktionen.

Massenmigration als massives Druckmittel der Türkei

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat solche "Ultimaten" der EU wiederholt zurückgewiesen. Er verwies darauf, dass sein Land vier Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien beherberge und mit einer Öffnung der Grenzen für sie eine Massenflucht in die EU auslösen könne.

Norden Zyperns seit 1974 militärisch besetzt

Die Türkei hat den Norden der griechischen Insel 1974 gewaltsam besetzt und belässt ihre Armee bis heute dort. Im Norden der Insel liegt heute die sogenannte Türkische Republik Nordzypern, die von keinem Staat außer der Türkei selbst anerkannt wird. Die gesamte Insel ist als Republik Zypern seit 2004 Mitglied der EU. Europäisches Recht kann jedoch de facto nur im griechischen Süden der Insel angewendet werden.

(dpa/apa/red)

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