Luftfahrtindustrie

Absatzziele: Airbus erwartet einen "Höllenritt"

Die Kosten beim A350 sinken, die Probleme mit Triebwerken beim A320neo lösen sich - die Ziele des Flugzeugbauers für heuer seien erreichbar, so Konzernchef Tom Enders. Doch der Weg dahin werde nicht leicht.

Der Flugzeugbauer Airbus kommt schneller als gedacht zurück in die Spur. Die Kosten beim Großraumflugzeug A350 hat Vorstandschef Tom Enders im Griff, und beim A320neo sind die Probleme mit den Triebwerken allmählich überwunden. Der französisch-deutsche Konzern verdoppelte das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im ersten Halbjahr auf 1,16 (2017: 0,55) Milliarden Euro.

Zu den Auslieferungen

Im ersten Halbjahr übergab Airbus 303 (306) Flugzeuge an die Kunden. Technische Probleme der beiden Triebwerks-Lieferanten Pratt & Whitney und CFM (Safran/GE) hatten dazu geführt, dass zeitweise mehr als 100 A320neo-Maschinen ohne Motoren auf Halde standen. Inzwischen seien es rund 80, sagte Enders. Im zweiten Quartal wurden aber erstmals mehr A320 mit den neuen und sparsameren Triebwerken ausgeliefert als von der Vorgängerversion.

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Das war mehr als von Analysten erwartet und trieb die Airbus-Aktie um mehr als fünf Prozent auf einen Höchststand von 111 Euro. Enders hält es für möglich, dass der Flugzeugbauer den Produktions-Rückstand beim A320 aufholen kann und sein Ziel von 800 ausgelieferten Flugzeugen in diesem Jahr noch schafft. "Das wird natürlich ein Höllenritt, aber das Ziel ist machbar." Man mobilisiere gerade die dafür nötigen zusätzlichen Ressourcen.

Pratt & Whitney-Partner MTU Aero Engines: Rückstand aufgeholt

Der Vorstandschef des Pratt & Whitney-Partners MTU Aero Engines, Reiner Winkler, sagte, der Rückstand sei aufgeholt. "Wir haben unseren Lieferplan erfüllt." Die Münchner MTU baut einen Teil der sogenannten Getriebefan-Triebwerke für den A320neo.

Die A320-Baureihe ist der größte Umsatz- und Ertragsbringer von Airbus. Nun kommt alles auf das zweite Halbjahr an, damit der Flugzeugbauer seine Ertragsziele erreichen kann: Rund 5 Mrd. Euro operativen Gewinn peilt Enders an, der Anfang 2019 den Hut nimmt. Rund 200 Millionen kostet die Integration des CSeries-Programms von Bombardier. Airbus hatte auf der Flugzeugmesse im britischen Farnborough zuletzt zahlreiche Aufträge für die in A220 umgetauften Flugzeuge mit 100 bis 150 Sitzen eingesammelt, auf die Bombardier vergeblich gewartet hatte.

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Der Nettogewinn von Airbus halbierte sich von Jänner bis Juni - vor allem wegen des schwachen Dollar - auf 496 Mio. (1,09 Mrd.) Euro. Der Umsatz stagnierte bei 25,0 (25,2) Mrd. Euro, lag aber über den Schätzungen der Experten. In den Zahlen des ersten Halbjahrs spiegelten sich die Fortschritte beim Airbus A350 wider. Bei dem Konkurrenten der Boeing 787 Dreamliner läuft die Produktion hoch. Bis Jahresende will Airbus zehn Flugzeuge pro Monat bauen. Auf mehr will Enders sich nicht festlegen, obwohl Boeing bereits 14 im Blick hat. Am Ziel sei Airbus bei den Kosten noch nicht.

Besser als erwartet auch bei Boeing

Auch bei Boeing waren die Geschäftszahlen im Quartal besser ausgefallen als erwartet. Doch erneute ungeplante Rückstellungen für das Tankflugzeug KC-46 trübten die Stimmung. Auch Airbus kämpft bei Militärflugzeugen mit Problemen. Enders sagte, die Verhandlungen mit den sieben Besteller-Staaten über die Anpassung der Verträge über den Militärtransporter Airbus A400M kommen laut Enders voran. Gerade in den vergangenen Wochen habe es "gute Fortschritte" gegeben, bis Jahresende sollen sie abgeschlossen sein. Für mögliche Preissteigerungen stellte der Konzern im ersten Halbjahr 98 Mio. Euro zurück.

Gegen drei verschiedene Kampfflugzeuge in Europa

Enders forderte die europäischen Regierungen auf, bei der Entwicklung eines neuen Kampfjets gemeinsame Sache zu machen. Großbritannien hatte in Farnborough ein Konkurrenzprojekt von BAE Systems zum geplanten deutsch-französischen Nachfolger für den Eurofighter vorgestellt. "Wir sollten nicht noch einmal die Dummheit begehen, in Europa drei verschiedene Flugzeuge zu bauen", sagte Enders. An eine Zusammenlegung des Militärflugzeug-Geschäfts von Airbus mit der britischen BAE Systems denke er dabei aber nicht. (reuters/apa/red)