Elektroindustrie

ABB-Chef Spiesshofer sieht "Anzeichen einer Marktstabilisierung"

Der Schweizer Elektrokonzern ABB hat im ersten Quartal dank Verkäufen einen überraschend hohen Gewinn eingefahren. Konzernchef Spiesshofer sieht deutliche Anzeichen eine Markterholung - obwohl große Kunden der Schweizer sich mit Investitionen weiter zurückhalten.

Der Schweizer Elektrokonzern ABB hat im ersten Quartal 2017 dank eines Spartenverkaufs überraschend viel verdient. Der Gewinn kletterte um 45 Prozent auf 724 Mio. Dollar (675,1 Mio. Euro), wie der Konzern mitteilt. Er lag damit deutlich über den Analystenerwartungen. ABB profitierte von dem kürzlich abgeschlossenen Verkauf des Kabel-Geschäfts an die dänische NKT Cables.

Im Tagesgeschäft bekommt ABB dagegen weiterhin die Investitionsscheu der Kunden aus der Energiebranche und das verhaltene Marktwachstum als Folge der geopolitischen Unsicherheiten zu spüren.
Die Aufträge sanken im Auftaktquartal um neun Prozent auf 8,4 Mrd. Dollar, vor allem weil der Konzern in China weniger große Order hereinholen konnte als im Vorjahr.

Optimismus in der Chefetage

Dennoch äußerte sich ABB-Chef Ulrich Spiesshofer etwas optimistischer als zuletzt. "Wir sehen erste Anzeichen einer Marktstabilisierung in Teilen der Prozessindustrie und auch einige Wachstumssignale in frühzyklischen Geschäften."

Investoren hatten jüngst immer wieder die Wachstumsschwäche bei ABB bemängelt. Konkurrenten wie Siemens oder GE hatten sich in besserer Verfassung gezeigt. So verzeichnete Siemens zuletzt hohe Zuwachsraten und will diese auch 2017 erreichen. Für ABB soll 2017 ein Übergangsjahr werden. "Wir nehmen Fahrt auf, um das Wachstum des Geschäfts anzukurbeln", erklärte Spiesshofer.

An den mittelfristigen Zielen hält er fest. Bis 2020 soll der Umsatz jährlich um drei bis 6 Prozent zulegen und die operative Rendite elf bis 16 Prozent betragen. Im ersten Quartal erreichte ABB jeweils das untere Ende dieser Spannen.

Spiesshofer plant neue Zukäufe

Spiesshofer stellte auch weitere Zukäufe in Aussicht. Im Vordergrund stünden dabei die Bereiche Elektrifizierung sowie Roboter. Nach einer jahrelangen Abstinenz bei Großakquisitionen hatte sich ABB Anfang des Monats, wie ausführlich berichtet, den österreichischen Steuerungshersteller Bernecker & Rainer (B&R) einverleibt. Mit der größten Übernahme seit fünf Jahren, die informierten Kreisen zufolge knapp 2 Mrd. Dollar kostete, wollen die Schweizer den Rückstand auf den Industrieautomations-Weltmarktführer Siemens verkürzen. (reuters/apa/red)

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