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ABB bis VW: Wie eine Nutzerorganisation IoT-Bausteine zirkulieren lassen will

20 Industrieunternehmen von ABB bis VW schlossen sich zu einer Nutzerorganisation Digitaler Zwilling zusammen. Hat das Teilen open-source-fähiger IoT-Bausteine eine Chance?

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20 hochkarätige Unternehmen, drei mächtige Industrieverbände: In der Industrial Digital Twin Association, kurz IDTA, findet sich das who is who der europäischen Industrie. Und demnächst schon der eine oder andere US-Player? 

Umbrüche in der Welt der Produktion hat Gunther Koschnick schon einige erlebt. Den Vormarsch kooperierender Roboter etwa, die irgendwann aus ihren Montagezellen ausrissen und nunmehr ganz ohne Sicherheitslichtgitter - mitunter schön im Takt des Menschen - Hand anlegen. Oder das Dirigat einer kompletten Fertigung nach den Grundsätzen der Losgröße-Eins-Fertigung, das vor ein paar Jahren noch unmöglich schien. Entsprechend gespannt blickt der Fachverbandsgeschäftsführer Automationdes deutschen Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, ZVEI,  in die Zukunft der Branche. Den klassischen Shopfloor, wie man ihn kennt, werde es dann wohl nicht mehr geben, ist er überzeugt. "Mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit werden wir enorme Rechenkapazitäten in die Produktion bekommen", so Koschnick. Damit werde man der Vision, in der sich Maschinen selbst den Königsweg durch die Fabrik suchen, näher kommen. 

One-Stop-Shop für IoT

Doch Koschnick weiß, dass es dazu noch die eine oder andere Weichenstellung benötigt. Bis Ende des Jahres arbeiten Automobilisten und Zulieferer wie VW, Fill oder Benteler etwa auf Basis des europäischen Referenzarchitekturmodells RAMI 4.0 am Abbau der vielen Schnittstellenin Fabriken sowie dem Teilen von Informationen in Echtzeit. Zugleich muss jedes digitale Abbild eines realen Objekts der vernetzten Produktion - Verwaltungsschale genannt - ein verlässlicher, wohldokumentierter Wissensspeicher für Prozesswerte, Konfigurationsparameter oder die Versionsverwaltung sein. Und der - geht es nach Koschnick und einer Reihe von vor allem deutschen Industrieplayern - in Hinkunft hochgradig standardisiert sein soll: Ende September wurde dazu eine Nutzerorganisation ins Leben gerufen. Deren Ziel: "Der Aufbau eines One-Stop-Shops für open-source-fähige IoT-Bausteine, an dem in weiterer Konsequenz auch die Normierung andockt", so Koschnick. 

Koschnik, ZVEI © ZVEI

"Wir werden mit wahnwitzigem Tempo enorme Rechenkapazitäten in der Produktion erhalten."
Gunther Koschnik, Managing Director, ZVEI 

White Paper zum Thema

Die Community ist gefragt 

Damit ist das Vorhaben, das ZVEI und der deutsche Maschinenbauverband VDMA mit Unternehmen von ABB bis Wittenstein auf die Beine stellten, nicht nur spektakulär - der Zeitpunkt ist auch ein überraschender. Viruspandemie hin oder her, "auch in Zeiten der Krise müssen wir langfristig nach vorne Blickenhört man im ZVEI. Annähernd fünf Jahre lief die Konzept- und Findungsphase, jetzt brauche es für Unternehmen, die Geld in Technologie stecken und ganze Standorte nach den Regeln des Digitalen Zwillings vernetzen, "Investitionssicherheit", sagt Koschnick.

So könnten mit einiger Eleganz "Teilmodelle einer Energiesparfunktion" herstellerübergreifend in der Community geteilt werden. Oder, wenn man weiter in die Zukunft schaut, das Troubleshooting einer selbststeuernden Roboterstraße in Ontologien finden. Dass das alles - auch wenn sich die Hersteller mit Ihren Technologien öffnen - ohne Schwellenangst passiert, dafür ist laut ZVEI vorgesorgt. "Natürlich wird es in der Vereinigung eine IP-Regelung geben, schließlich wollen wir alle in Harmonie leben und überleben", so Koschnick. Zugleich brauche es mehr Kooperation und Standards in einer Technologiewelt um international erfolgreich zu sein. Beginn des operativen Geschäfts der Plattform: Der 1. 1. 2021. 

Wer hinter der Nutzerorganisation Digital Twin steht 

Die Industrieverbände VDMA und ZVEI forcieren gemeinsam mit Bitkom und 20 Firmen die Open-Source-Entwicklung des Digitalen Zwillings für Industrie 4.0. Zu den Gründungsmitgliedern gehören ABB, Asentics, , Bosch, Bosch Rexroth, Danfoss, Endress+Hauser, Festo, Homag, KUKA, Lenze, Pepperl+Fuchs, Phoenix Contact, SAP, Schneider Electric, Schunk, Siemens, Trumpf, Turck, Volkswagen und Wittenstein. Zum Vorsitzenden gewählt wurde Matthias Bölke von Schneider Electric. Stellvertretender Vorsitzender ist Horst Heinol-Heikkinen, Eigentümer des Anbieters für industrielle Bildverarbeitung Asentics. „Die Exzellenz der deutschen und europäischen Industrie bei der Entwicklung industrieller Produkte ist weltweit anerkannt", sagt Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. Nun sei es an der Zeit, das digitale Ökosystem rund um diese Produkte weltweit mit dem gleichen Qualitätsanspruch zu gestalten“, so Rauen. Weltweit? Richtig gelesen. So versucht man etwa auch zu den Amerikanern enge Bande zu knüpfen, bestätigt ZVEI-Managing-Director Gunther Koschnik.

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