Elektroautos

Aachener Professor zeigt Tesla und den Autoriesen, wie es geht

Günther Schuh war mit dem "Streetscooter" für die Deutsche Post bereits erfolgreich. In Kürze startet die Serienproduktion seines neuen Modells: Hundert Kilometer Reichweite, ein Preis unter 12.000 Euro dank Kaufprämie - und "made in Germany".

Günther Schuh zeigt den Großen der Autoindustrie und dem Börsenliebling Tesla, wie es geht. In wenigen Monaten will der Entwickler mit seiner Firma Ego Mobile die Serienproduktion eines Elektroautos starten, das den Massenmarkt aufmischen könnte.

Die Vorbereitungen dafür laufen bei dem in Aachen im Rheinland ansässigen Unternehmen bereits auf Hochtouren. Wenn alles läuft wie geplant, wird das erste Modell von Ego Mobile die heutigen Preise jedes Elektroautos am Markt bei weitem unterbieten - und das trotz, oder gerade wegen eines Produkts "made in Germany".

Ab dem kommenden Frühjahr will Ego (Eigenschreibweise: e.GO) das Einsteigermodell "e.GO Life" herausbringen. Der Listenpreis für das Fahrzeug soll 15.900 Euro betragen. Abzüglich der in Deutschland angebotenen Kaufprämie von 4.000 Euro für reine Elektroautos liegt der Endpreis für Kunden damit bei 11.900 Euro.

In der Basisvariante solle das "Elektroauto für den Otto Normalverbraucher" eine Reichweite von rund hundert Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von knapp über hundert Stundenkilometern aufweisen, sagt Schuh in einem Interview mit "Spiegel Online".

Erste Erfolge mit Streetscooter

Günther Schuh, eigentlich Professor für Produktionssystematik an der RWTH Aachen, ist in der Branche inzwischen kein Unbekannter mehr. Er hat den Elektroautobauer Streetscooter mitgegründet und war seinerzeit an der Entwicklung des gleichnamigen Modells für die Deutsche Post beteiligt.

Die Post war damals auf der Suche nach einem Elektrotransporter für den Eigenbedarf - doch die Platzhirsche der Autoindustrie hatten an einer Zusammenarbeit kein Interesse. Also machte sich eine Mannschaft rund um den Aachener Professor auf eigene Faust an die Arbeit und entwickelte für die Post den "Streetscooter". Das Projekt gelang. Der Logistiker war mit dem Modell so zufrieden, dass er Streetscooter 2014 gleich aufgekauft hat.

Seither ist der gelbe Riese mit seiner neuen Firmentochter auch ein Produzent von Elektroautos. Inzwischen ist Ford als Partner aus der Autoindustrie an Bord. Vor einigen Monaten hat die Post begonnen, die Transporter auch an Dritte zu verkaufen - und die Nachfrage war so stark, dass Streetscooter kürzlich angekündigt hat, die Jahresproduktion auf jährlich 20.000 Fahrzeuge zu verdoppeln:

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Neues Fahrzeug gezielt für den Massenmarkt

Schuh dagegen hat Streetscooter inzwischen verlassen und den Elektroautohersteller Ego Mobile gegründet, dessen Chef er heute ist. Auch bei Ego ist das erste Modell bald fertig - diesmal gezielt auf den Massenmarkt ausgerichtet.

Den e.GO Life beschreibt der Entwickler als "kompaktes, spritziges Elektroauto für den Innenstadtverkehr". Die Serienproduktion des Elektroautos solle Mitte Mai nächsten Jahres in Aachen beginnen, ab Juli würden dann die ersten 1.000 Autos ausgeliefert. "In den nächsten Jahren wollen wir die Produktion dann schrittweise auf rund 20.000 pro Jahr erhöhen", kündigt Schuh an.

"Nach unseren Berechnungen liegt das Potenzial für elektrische Kleinfahrzeuge, die für innerstädtische Kurzstrecken genutzt werden, bei 400.000 Neuwagen im Jahr", so der Maschinenbauer. "Diese hohe Nachfrage können wir mit dem e.GO nicht mal im Ansatz bedienen. Für die deutschen Autokonzerne bleibt also noch genug übrig."

Der milde Spott ist der Autoindustrie inzwischen vergangen

Schuh sagt rückblickend, die Deutsche Post habe seinerzeit umweltfreundliche Transportfahrzeuge gesucht. "Bei den Autoherstellern blitzten sie ab und sind auf unser kleines Start-up gestoßen." Zuvor habe die Autoindustrie das Aachener Unternehmen "nicht wirklich ernst" genommen. "Die schauten uns an, als seien wir Teilnehmer von 'Jugend forscht', das hat mich schon etwas gekränkt."

Schuh fügt allerdings hinzu, es habe seinerzeit aus Sicht der erfolgreichen deutschen Autohersteller "schlicht keine Notwendigkeit" gegeben, "auf unkonventionelle Konzepte zu setzen und sich damit selbst Konkurrenz zu machen".

"Ich bin nicht sicher, ob ich das anders gemacht hätte, wenn ich Manager in einem Automobilkonzern gewesen wäre", sagte der Maschinenbauer. "Dass sich die Dinge im Zuge der Dieselaffäre jetzt so dramatisch zuspitzen, konnte man vielleicht ahnen, musste man aber nicht." 

(red/afp/apa)

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