Elektroautos

Aachener Produktionssystematiker nennt die Obergrenze für Tesla - und alle anderen

Günther Schuh war mit dem "Streetscooter" erfolgreich und startet im Frühjahr die Serienproduktion seines neuen Elektroautos. In einem Interview räumt er mit zwei der häufigsten falschen Annahmen rund um Elektroautos auf.

In diesen Tagen taucht ein Professor aus Aachen immer wieder in Berichten über die Zukunft von Elektroautos auf: Günther Schuh. Mit seiner Firma Ego Mobile will der die Serienproduktion eines Elektroautos starten, das den Massenmarkt aufmischen könnte.

Günther Schuh, eigentlich Professor für Produktionssystematik an der RWTH Aachen, hat seinerzeit den Elektroautobauer Streetscooter mitgegründet und war an dessen Entwicklung für die Deutsche Post beteiligt: Ford und Deutsche Post bauen elektrischen Transporter gemeinsam >>

Inzwischen hat er Streetscooter verlassen und die Firma Ego Mobile gegründet, die ab dem Frühjahr die Serienproduktion eines elektrisch betriebenen Einsteigermodells made in Germany starten will.

Gerade würden seiner Firma die Käufer die Türen einrennen, sagt Schuh - bei einem Auto, das weder getestet noch beworben wurde. Das Aachener Start-up bekomme demnach Bestellungen zwischen 15 und 20 Autos pro Tag: Aachener Professor zeigt Tesla und den Autoriesen, wie es geht >>

Der Preis des frisch gebackenen westdeutschen Herstellers ist eine Kampfansage an Tesla und Co: Ein Listenpreis von 15.900 Euro. Abzüglich der in Deutschland angebotenen Kaufprämie von 4.000 Euro wäre das für Kunden ein Endpreis von 11.900 Euro.

Zwei der häufigsten Missverständnisse rund um Elektroautos 

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk anlässlich der weltgrößten Automesse IAA in Frankfurt räumt Schuh jetzt mit einigen in der Öffentlichkeit üblichen Missverständnissen auf.

Erstens betont der Wissenschaftler und Unternehmer, dass "im Moment die besten Hybridfahrzeuge in der Welt schon von deutschen Herstellern hergestellt werden." Marktanalysen und die Zahl neuer Patente bestätigen diese Aussage: Patente zu Roboterautos: Bosch und Audi weit vor Tesla und Apple >>

Zweitens sagt Schuh, dass auch ein Medienliebling wie Elon Musk mit seinem als Pionier geltenden Hersteller Tesla "die Physik nicht außer Kraft setzen" könne.

Konkret: In den nächsten 15 Jahren werde bei der industriellen Produktion für den Massenmarkt grundsätzlich keine anderen Batteriesysteme als Lithium-Ionen-Feststoffbatterien geben. Das ergebe notgedrungen einen Batteriepreis "zwischen 100 und 120 Euro pro Kilowattstunde".  

Dies sei eine Grenze, die weder Tesla noch alle anderen Autobauer außer Kraft setzen könnten: "Die Physik einer Batterie ist schlicht und ergreifend so, dass da ein Elektron von links nach rechts springen muss, und wenn Sie mehr Ladung haben brauchen, brauchen Sie mehr Atome, aus denen Elektronen springen. Also braucht man mehr Masse."

Die magische Grenze - beim Traum vom Massenmarkt

Das bedeute wiederum, dass man bei einem Auto, das auch 500 oder 600 Kilometer weit fahren soll, nur mit einer Batterie zwischen 10.000 und 12.000 Euro auskommen könne.

Und genau hier liegt die Grenze für alle, die von traumhaften Absatzzahlen mit Elektroautos träumen. Wenn man um die Batterie herum mehr von einem Auto bauen wolle als einen kleinen Stadtflitzer, "dann ist es eigentlich naheliegend, dass Sie nicht mehr ein Fahrzeug unter 25.000 Euro in den Markt bringen können."

(red)

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