Zulieferindustrie

900 Arbeitsplätze weg: Diese Einschnitte plant Schaeffler

Der in Österreich stark präsente Autozulieferer Schaeffler plant schmerzhafte Einschnitte. Die europäischen Werke sollen neu geordnet, kleine Teile des Geschäfts verkauft werden. Seine Ziele für 2020 gibt Schaeffler auf.

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler verabschiedet sich von seinen Zielen für 2020 und legt ein Sparprogramm auf. In der Autozuliefersparte sollen rund 900 der 55.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie das deutsche Familienunternehmen mitteilte.

Die europäischen Werke sollen neu geordnet, kleine Teile des Geschäfts verkauft werden. Damit will Schaeffler die Kosten in den nächsten zwei Jahren um 90 Mio. Euro senken. Die Autozuliefersparte hatte 2018 sogar die im Herbst gesenkten Ziele verfehlt.

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"Das Problem in der Automotive-Sparte ist, dass wir ein sehr breites Portfolio haben. Wir müssen selektiver werden", sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld in München. Kleinere Teile des Motoren- und Getriebegeschäfts, wie die Produktion von Handschaltungen, will Rosenfeld verkaufen. Fünf kleinere Werke sollen aufgegeben werden. Das Sparprogramm namens "Race" sei nur ein erster Schritt beim Umbau. "Das ist in einer Phase nicht zu machen", sagte Rosenfeld.

Eckdaten zur Sparte

Die Autozuliefersparte, die bei dem Wälzlager-Anbieter für knapp zwei Drittel des Konzernumsatzes von 14,2 Mrd. Euro steht, verfehlte im vergangenen Jahr sogar die im Herbst gesenkten Vorgaben. Ihr operativer Gewinn brach um 29 Prozent ein. Gründe dafür seien die Umstellung der Autobauer auf den neuen Abgasstandard WLTP und die Abschwächung der Nachfrage in China, sagte Rosenfeld. "Daneben gibt es aber auch eine Reihe von hausgemachten Faktoren, die wir angehen müssen." Schaeffler habe sich dem Thema E-Mobilität erst spät gewidmet. "Jetzt sind wir dabei aufzuholen."

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Mit "Race" will Rosenfeld das Ergebnis zunächst bis 2022 um 90 Mio. Euro verbessern. Teil des Programms sind geringere Investitionen. In diesem Jahr veranschlagt der Schaeffler-Chef dafür aber erst einmal 60 Mio. Euro an Restrukturierungskosten.

"Renditeziele für 2020 nicht mehr erreichbar"

Die Umsatz- und Renditeziele für 2020 seien nicht mehr erreichbar, räumte Rosenfeld ein. Schaeffler hatte sich bis zum kommenden Jahr jährliche Umsatzsteigerungen von vier bis sechs Prozent auf 16 Mrd. Euro und eine operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 12 bis 13 Prozent vorgenommen. Davon ist der Konzern aus Herzogenaurach weit entfernt: 2018 stieg der Umsatz währungsbereinigt um knapp 4 Prozent auf 14,2 Mrd. Euro, die Ebit-Marge fiel auf 9,7 (2017: 11,3) Prozent. Die Industrie-Zuliefersparte hat ihren Umbau weitgehend hinter sich und baute die Rendite auf elf (acht) Prozent aus. "Es zahlt sich aus, dass wir ein Auto- und Industriezulieferer sind", sagte Rosenfeld.

Im laufenden Jahr wird es noch schwieriger: Rosenfeld geht von einem Umsatzplus von ein bis drei Prozent und einer Marge vor Sondereffekten von acht bis neun Prozent aus. Vorerst fährt er auf Sicht: "Das Umfeld bleibt in den nächsten zwei bis drei Jahren schwierig", sagte er. "Es wäre unklug, jetzt neue Mittelfristziele bekanntzugeben."

Aktionäre kassieren trotz allem ihre Dividende

Die gebeutelten Aktionäre sollen trotz eines Rückgangs beim Nettogewinn um 10 Prozent auf 881 Mio. Euro für 2018 eine stabile Dividende bekommen: 270 Mio. Euro kassiert allein die Gründerfamilie, die Vorzugsaktionäre erhalten 55 Cent je Aktie.

Der Börsenwert von Schaeffler hat sich in neun Monaten fast halbiert - nun steigt das Unternehmen in den Kleinwerteindex SDax ab. "Wir nehmen das sportlich", sagte Rosenfeld. "Wir werden alles daran setzen, das wieder zu korrigieren." Auch die Aktien anderer Zulieferer wie Valeo und Faurecia wurden in Mitleidenschaft gezogen. (reuters/apa/red)

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