Mergers & Acquisitions

5 Gründe, warum Übernahmen gerade boomen

Niedrige Zinsen, Überschaubare Inflation und hohe Rücklagen machen Übernahmen zu einer attraktiven Wachstumschance. Die fünf wichtigsten Fakten zum Thema.

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Die Zeit der großen Merger hält an. Im November des Vorjahres sorgte der Betrag von einer Milliarde Euro für Schlagzeilen, den LG für den niederösterreichischen ZKW-Konzern bot. Im Mai dieses Jahres wechselte der auf Strom- und Wasserversorgungsabrechnung spezialisierte deutsche Konzern Techem um 4,6 Milliarden Dollar den Besitzer. Und zu Sommerende stimmte die EU der Fusion von Linde und Praxair zu, mit der ein neuer Weltmarktführer für Industriegase aus der Taufe gehoben werden soll. Das wirtschaftliche Umfeld lässt auch für die Zukunft spannende Deals erwarten. Wir zeigen die wichtigsten Trends.

Der Investitionsdruck bleibt groß

Die Zahlen belegen es eindeutig: Fast 3.000 Merger & Acquisitions gingen in der DACH-Region seit 2015 Über die Bühne. Das registrierte Transaktionsvolumen lag dabei bei 182 Milliarden Euro, der tatsächliche Betrag dürfte aber deutlich höher ausfallen, da bei vielen Deals Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart wurde. „Das gesamtwirtschaftliche Umfeld samt niedrigen Zinsen, absehbar niedriger Inflation und teilweise hohen Rücklagen der Unternehmen führt dazu, dass sowohl strategische als auch Finanzinvestoren fast schon händeringend nach Investitionsmöglichkeiten suchen“, sagt Dieter Schalko, Partner bei E&Y. Das wird vermutlich auch in näherer Zukunft so bleiben. Noch nicht ganz klar ist hingegen, wie sich der von der Trump-Administration verfolgte Protektionismus und der Brexit auf das Marktverhalten europäischer Käufer auswirken werden. Experten halten es jedenfalls für möglich, dass man, um Strafzöllen und anderen Schranken auszuweichen, stärker an Niederlassungen oder Käufen in Übersee und Großbritannien interessiert sein wird.

Megadeals im Industriesektor

Die aktuelle Investitionstätigkeit ist nicht nur von hoher Anzahl der Deals geprägt, sondern – vor allem im Industriesektor – auch von großen Volumina. Unter den im Industriebereich seit 2015 dokumentierten mehr als 2.100 Übernahmen waren gleich fünfzehn mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. In Summe waren diese fünfzehn Transaktionen für mehr als die Hälfte des gesamten Übernahmevolumens im Industriesektor verantwortlich. Zu den wichtigsten zählten dabei die Übernahme der Wirtgen-Gruppe durch den amerikanischen Landtechnikspezialisten Deere & Company (Kaufpreis: 4,5 Milliarden Euro) und die Übernahme des deutschen Maschinenbauers Kuka AG durch die Mecca International (BVI) Limited, ein Tochterunternehmen der chinesischen Midea International Corporation (Kaufpreis: 4 Milliarden Euro). Trotz merklicher Präsenz von Interessenten aus China merkt E&Y-Partner Schalko an, dass die Mehrheit der Übernehmer nicht aus dem asiatischen Raum kommt: „Die Käufer von deutschsprachigen Industrieunternehmen sind weiterhin überwiegend Europäer, gefolgt von Amerikanern.“

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Spektakuläre Ausreißer

Abseits von Industrieunternehmen sind Megadeals seltener, was allerdings nicht heißt, dass es hier nicht dennoch den einen oder anderen spektakulären Ausreißer gäbe. „Im Roh-, Baustoff- und Chemie-Sektor beherrschten zwei sogenannte Elephant-Deals die letzten Jahre. Der Verkauf der Schweizer Syngenta an die chinesische Chemchina für 41,3 Milliarden Euro im Jahr 2016 und der Erwerb der deutschen Linde AG durch den amerikanischen Hersteller von Industriegasen Praxair für 42,2 Milliarden Euro“, fasst Robert Hufnagel, Partner bei E&Y, die Situation zusammen. Der Kauf der Syngenta durch die Chinesen fällt auch durch ein weit über dem Durchschnitt liegendes Transaktionsmultiple (EV/EBITDA) auf. Betrug dieses im Branchenschnitt während der vergangenen drei Jahre 7,5x, so erreichte es bei dem Syngenta-Deal den Wert von 17,6x. Abgesehen von dieser Übernahme legen die vorliegenden M&A-Daten allerdings nahe, dass das chinesische Interesse an Roh-, Baustoff- und Chemieunternehmen aus der DACH-Region nachlässt.

Hoffnungsmarkt Energie

Während das durchschnittliche Transaktionsmultiple bei Industrieunternehmen bzw. bei Unternehmen aus dem Bereich Roh-, Baustoff und Chemie bei 7,7x bzw. 7,5x lag, also für beide Bereiche de facto gleich blieb, fällt es im Sektor Energie- und Versorgungsunternehmen mit 13,1x deutlich höher aus. Offenbar werden die Entwicklungschancen in diesem Sektor als besonders gut eingeschätzt. „Die beliebtesten Assets sind Wind- und Solarparks, aber auch Energiewerke“, beschreibt E&Y-Partner Hufnagel die Lage. Die Attraktivität des Energie- und Versorgungssektors spiegelt sich auch darin wider, dass einige der aktivsten Käufer eben aus diesem Sektor stammen, wie zum Beispiel die BKW AG mit 24 Transaktionen, die Encavis AG und die Trianel Erneuerbare Energien mit elf und das Private Equity Haus der Deutschen Beteiligungs AG mit neun. Die Anzahl der Transaktionen im Bereich Energie und Versorgung sowie deren Volumen nehmen derzeit allerdings ab. Bis zu einem gewissen Grad kann das damit zu tun haben, dass die vergangenen Transaktionen ein Preisniveau entstehen ließen, das bremsend wirkt.

Chinesisches Interesse geringer als erwartet

Auch wenn China für einige der Super-Deals der vergangenen Jahre verantwortlich ist: Das Interesse chinesischer Investoren an Unternehmen aus der DACH-Region fällt deutlich geringer aus, als es die öffentliche Wahrnehmung vermuten ließe. Robert Hufnagel von E&Y hat dazu auch Zahlen parat: „Chinesische Käufer drängen zwar weiterhin auf den Markt, nicht aber in dem Ausmaß, wie über die Medien oftmals suggeriert wird. Über den Betrachtungszeitraum von 2015 bis heute entfallen lediglich 1,5 Prozent aller Transaktionen in den Bereichen Industrie, Roh- , Baustoff und Chemie sowie Energie und Versorgung auf chinesische Investoren, darunter allerdings auch einige der größten Deals.“ Auffällig an Transaktionen mit chinesischer Beteiligung sind die in der Regel überdurchschnittlichen Transaktionsmultiples der entsprechenden Deals. Beobachter führen das vor allem auf die Bereitschaft der Chinesen zurück, einen relativ hohen Markteintrittspreis zu zahlen, um in der Folge nicht nur von der Marktpräsenz selbst, sondern vor allem auch von der mitgekauften Technologie zu profitieren.