Digitalisierung

3D-Druck, Machine-Sharing, IOT: Wie sich Österreichs Lohnfertigung neu erfindet

Lohnfertiger müssen sich auf disruptive Veränderung einstellen. Wie sie diese Aufgabe meistern.

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Technologieverliebt ist Gerald Resch, seit er denken kann. Als Lehrbub war er es, als Meister. Heute ist der Impuls, Neuem auf den Zahn fühlen zu müssen, nicht kleiner. Zwanzig Jahre werkte Resch in einem messtechnischen Labor in Graz. Sei etwa zehn Jahren ist er mit seiner eigenen Firma in der Auftragsfertigung tätig. Von Technologiesättigung keine Spur. Im Halbjahrestakt investiert sein Unternehmen, spezialisiert auf Fertigungstechnik und Prototypenbau, in den Maschinenpark am Sitz Glojach. Schweißanlagen, Schleifmaschinen, Dreh-Fräs-Zentren - an nichts fehlt es den Steirern. Seit zwei Jahren findet sich darin auch eine Technologie, die je nach Betrachtungswinkel die Fertigungszukunft oder bloß ein nettes Add-on darstellt: Ein 3D-Drucker für Metall, in Reschs Fall der deutschen Marke EOS. Der ringt dem Techniker Worte der Begeisterung ab: "Die Möglichkeiten der Technologie sind enorm", sagt Resch. Wohlwissend, dass der 3D-Druck "kein einfaches Geschäft" sei: Technologie und Nachbearbeitungsschritte müssten beherrscht werden. Und konstruktionsseitig müsse "umgedacht werden", sagt er. Punkte, die er als Gastredner einer Schweißtechnischen Tagung im vergangenen Februar in Graz ohne beschönigende Worte ansprach. Nicht unbedingt zur Freude der  anwesenden Vertreter von 3D-Drucker-Herstellern.

Die tägliche Dosis Digitalisierung

Ist Gerald Resch einer von vielen? Stecken Aufragsfertiger - wie ihre Kunden Trumpf, Engel oder Salvagnini - inmitten der Transformation? Und: Ist das Geschäft schwieriger geworden? Die Autragsbücher waren zu Jahresbeginn bei vielen Maschinenbauern voll, ergo erfreuten sich auch die Lohnfertiger recht blühender Geschäfte. Ein Trend, der anhält. Vereinzelt gehe Mitbewerbern die Luft aus. Im Vorjahr schlitterte die Metalltechnikfirma RSG aus Golling, Salzburg, zum zweiten Mal in die Pleite. "Doch in Summe läuft es gut", heißt es in der Branche. Viel Zeit sollte also - zumindest in der Theorie - für CNC-Fertiger nicht bleiben, um sich mit der Frage nach den Zukunftstechnologien zu befassen. War die Nabelschau doch bisher häufig ein Thema für die Krisenmonate, also die schmerzlichen Tage der Unterauslastung. Doch so denkt kaum mehr einer in der Branche. Die großen Visionen - sei es die Vernetzung, sei es maschinelles Lernen - sind in den Shopfloors der Lohnfertiger angekommen. Auch deshalb, weil die neuen Maschinen, die Hersteller heuer auf der Maschinenbaumesse EMO zeigen, tendenziell schon immer häufiger mit digitalen Features zu punkten trachten. "Lieferzeit, Image, Preis - das sind schon immer noch die entscheidenden Kaufparameter", beobachtet Anton Köller, Geschäftsführer des Wiener Maschinenhändlers Precisa CNC-Werkzeugmaschinen. Immer öfter nimmt man aber auch die Softwarepakete unter die Lupe. "Neuartige Steuerungsfunktionalitäten, darunter auch CAD/CAM, sind definitiv gefragt", so Köller. Wer danach sucht, wird etwa beim Hersteller Okuma - Precisa führt die japanische Traditionsmarke - auch fündig.

Drucker statt Fräsen?

Im Gegensatz zur volldigitalen Druckerfarm, die nicht als sonderlich erstrebenswert bezeichnet werden kann: Klassische CNC-Jobs fernab des Prototypenbaus sind per 3D-Druck heute kaum in vertretbarem Tempo und Aufwand kostengünstig bewältigbar. "Die auftretenden Spannungen während des Beschichtungsprozesses muss man erst einmal beherrschen", gibt ein Lohnfertiger zu Protokoll. Doch an Substitution wollen ohnedies immer weniger Anwender denken. "Messtechnik, Möbelbau, Oldtimer-Renovierung - das mögliche, durch 3D-Drucker beherrschbare Teilespektrum ist groß", schildert CNC-Fertiger Gerald Resch. 3D-Druck- und Hybridmaschinentechnologie - "diese Technologien sehen wir uns im Moment sehr genau an", sagt auch Michael Eiber, stellvertretender Geschäftsführer beim CNC-Fertiger Steininger Metallbearbeitung. Gut möglich, dass demnächst schon ein 3D-Drucker zu Testzwecken in der Welser Fertigung steht. Nicht jeder muss es freilich gleich wie Airbus machen und im großen Stil Fräsmaschinen durch 3D-Drucker ersetzen.

Tauschhandel

Bleibt die Frage nach dem Wettbewerb. Müssen Lohnfertiger in Zukunft um ihr Geschäft bangen? Zumindest der Metall-3D-Druck sei kein unmittelbarer Aggressor, heißt es in der Branche. Im Gegenteil. 3D-gedruckte Teile müssten - in der Regel per Drahtschneideverfahren - "von der Grundplatte abgetrennt und dann zumeist fertig bearbeitet werden", sagt Hannes Hämmerle, Geschäftsführer bei 1zu1 Prototypen. Und welche Rolle werden Kapazitätenplattformen spielen? Die Signale sind zweideutig. Matool.com, eine Plattform, die Betreiber von DMG Mori-Maschinen zusammenspannen sollte, wurde nach kurzer Halbwertszeit geschlossen. Zu Erfolg oder Misserfolg will sich Betreiber nicht äußern. Angeblich europaweit 400 Lohnfertiger kleiner 25 Mitarbeiter und über 600 Kunden haben sich bisher im Onlineportal Part Factory angemeldet. Betreiber ist der Kühlschmierstoffsystem-Optimierer Grindaix. Fertigungsjobs werden hier nach dem Bestbieterprinzip vergeben, der Betreiber kassiert eine Erfolgsprämie. Grindaix Geschäftsführer Dirk Friedrich will damit nicht in erster Linie das große Geld verdienen. Das Portal dient der Grindaix auch zum Eigengebrauch und im Vordergrund stehen dabei ebenso soziale Aspekte. "Wir wollen die WIN-WIN, also ohne großen Aufwand Fertigungsaufgaben erfüllen und dabei den kleineren Lohnfertigern kostenfrei helfen“.