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11.500 neue Patente aus Österreich trotz Coronakrise

Österreichs Firmen haben im Vorjahr mit 11.500 Patentanmeldungen der Pandemie getrotzt und konnten damit das Rekordniveau des Jahres 2019 halten - trotz Einschnitten. Allerdings zeigt eine Analyse, dass sich besonders Start-Ups zu wenig um ihre Schutzrechte kümmern.

Österreichische Firmen haben 2020 weltweit 11.534 Patente angemeldet. Das ist zwar etwas weniger als 2019 (11.731), für Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zeigt es aber, dass wir nach dem Rekordjahr 2019 "dieses Niveau trotz der Einschnitte durch die Corona-Pandemie halten konnten". Im weltweiten Ranking habe man damit gemessen an der Einwohnerzahl Rang 11 und in der EU Rang 6 behaupten können, so Gewessler.

Die Ministerin verwies bei der Bilanz-Pressekonferenz des Österreichischen Patentamts darauf, dass sich seit dem Jahr 2000 die Zahl der österreichischen Patentanmeldungen mehr als verdoppelt habe. Das sei auch im Kampf gegen die Klimakrise notwendig. "Klimaschutzpatente machen uns fit für die Zukunft und stärken den Wirtschaftsstandort", so Gewessler. Österreich sei bei den Umwelttechnologien "sehr gut dabei", im Sektor "Green Tech" etwa liege man deutlich über dem EU-Schnitt. An den Patenten sehe man auch, dass die Energiewende vorangehe: Jahr für Jahr gebe es mehr Patente im Bereich erneuerbare Energien, während jene für fossile Energien rückläufig seien.

Mehr Patente als im Jahr vor der Krise - im Gegensatz zu Deutschland

Dass im Vorjahr in Österreich 2.737 Patente und damit mehr als 2019 (2.724) angemeldet wurden, kam für Patentamtspräsidentin Mariana Karepova "überraschend", man habe aufgrund der Pandemie und der wirtschaftlichen Entwicklung "mit dem Schlimmsten gerechnet". In Deutschland habe es etwa einen Rückgang von acht Prozent gegeben. Erteilt wurden schließlich 1.464 Patente (2019: 1.577), "das bedeutet mehr als 1.000 Produkte, Verfahren, Antriebe, Wirkstoffe, neue Techniken, die es vorher auf der Welt noch nicht gegeben hat", so Karepova.

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Im Pandemiejahr 2020 hat das Patentamt eine steigende Nachfrage (plus 9 Prozent) nach seinen Services verzeichnet, die im ersten Quartal 2021 noch einmal stark zugenommen habe. "Das zeigt, dass noch Einiges an Innovation in der Pipeline ist und die Firmen in schwierigen Zeiten wissen wollen, ob sie auf das richtige Pferd setzen", so die Patentamts-Chefin.

Oberösterreich nach Zahlen vorn - Vorarlberg im Verhältnis zur Einwohnerzahl

Im Bundesländerranking führt wie schon in den vergangenen Jahren Oberösterreich mit 638 Patentanmeldungen vor der Steiermark (522) und Wien (436). Gemessen an der Bevölkerungszahl liegt Vorarlberg mit 212 Erfindungsanmeldung weiter auf Rang eins. Unter den Hochschulen konnte die Technische Universität (TU) Wien mit 22 Anmeldungen ihren ersten Platz vor der TU Graz (8) und der Uni Innsbruck (6) behaupten. Bei den Firmen ist seit 2012 AVL List das Top-Unternehmen, 180 Patente hat es im Vorjahr angemeldet. Auf den Plätzen folgen Julius Blum (76) und Zumtobel Lighting (39).

AVL habe 2020 erstmals seit vielen Jahren einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Gleichzeitig habe man allerdings die Eigen-Forschung und -Entwicklung deutlich ausgeweitet, was zu dem deutlichen Plus bei den Patenten geführt habe, so AVL-Chef Helmut List.

Kaum Veränderungen gab es beim Markenschutz: 6.260 (2019: 6.261) Marken wurden angemeldet, 5.240 (5.172) Marken wurden registriert.

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Institut: Start-ups haben ein Problem

Das Patentamt hat im Vorjahr vom Forschungsinstitut economica untersuchen lassen, wie Start-ups mit ihren gewerblichen Schutzrechten umgehen. Von rund 7.000 untersuchten Gründungen hätten nur sechs Prozent den Schutz einer Marke, nur zwei Prozent ein eigenes Patent angemeldet - "das sind schockierend wenige", sagte Karepova. Dabei seien, wie die Untersuchung gezeigt habe, die Überlebenschancen bei jenen Gründungen deutlich höher, die sich um ihre Marken und Patente kümmern: 75 Prozent der Start-ups, die das tun, würden die ersten fünf Jahre überleben, von jenen, für die das kein Thema ist, seien es nur 65 Prozent. (apa/red)