Stahlindustrie 02.11.2015 08:34

Merkel: Schutz der Stahlbranche vor Chinas Billigfirmen nötig

Die deutsche Kanzlerin plädiert für mehr Schutz der Stahlindustrie und der Solarbranche gegen den unfairen Wettbewerb aus China. Ob das gegen die riesigen Überkapazitäten beim weltweit größten Stahlproduzenten hilft, ist allerdings mehr als fraglich.

Bild: ArcelorMittal Eisenhüttenstadt / Stahl-Zentrum

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für einen weiteren Schutz der Stahl- und Solarbranche gegen unfairen Wettbewerb aus China ausgesprochen. Die Stahlindustrie habe sich über unterschiedliche Umweltauflagen beklagt, durch die sie benachteiligt sei, so Merkel Ende vergangener Woche bei einem deutsch-chinesischen Wirtschaftskongress. "Deshalb ist da ein gewisser Marktschutz notwendig", so die Kanzlerin. "Ich hoffe auch, dass wir im Solarbereich die gefundenen Regeln noch verlängern können."

 

Kampf gegen Dumpingprodukte könnte schwerer werden

 

Zugleich sagte sie der Regierung in Peking Unterstützung dabei zu, von der EU den Marktwirtschaftsstatus zu erhalten. Allerdings müsse China zuvor "auch seine Aufgaben erledigen". Insbesondere beim Vergabesystem in China seien Reformen nötig. Spricht die EU China den Marktwirtschaftsstatus zu, wird es sehr viel schwerer, gegen Dumpingfälle vorzugehen.

 

Die EU hat Strafzölle gegen chinesische Stahl- und Solarfirmen verhängt, um europäische Konkurrenten zu schützen. China ist der weltweit größte Stahlproduzent. Experten zufolge besteht gegenwärtig eine Überkapazität von 300 Millionen Tonnen.

 

Asien erlebt "abnormal tiefe Preise" einer Stahlschwemme - und Verluste in Milliardenhöhe

 

Vor wenigen Tagen sorgten diesbezüglich zwei Meldungen für großes Aufsehen. Zum einen meldeten Stellen aus China, dass die großen Stahlhersteller des Landes Verluste in Milliardenhöhe machen - mehr dazu hier auf INDUSTRIEMAGAZIN.at. Und zum anderen ist bereits in mehreren Ländern Asiens, darunter auch in Japan, von einer neuen Stahlschwemme die Rede. Topmanager japanischer Stahlkonzerne sprechen bereits von "abnormal tiefen Preisen". Die Meldung zu diesem Thema finden Sie hier

 

"No-Spy-Abkommen": Chinas Staatschef Li Keqiang will Industriespionage untersagen

 

Ministerpräsident Li Keqiang warb für eine verstärkte Zusammenarbeit deutscher und chinesischer Firmen, um Produkte etwa in Entwicklungsländern günstiger anbieten zu können. Zudem regte er eine engere Zusammenarbeit bei der "Industrie 4.0", also der Verschmelzung von Industrieproduktion und IT-Technik an.

 

Um das Misstrauen deutscher Firmen abzubauen, wollen beide Länder bereits 2016 ein Abkommen unterzeichnen, das gegenseitige Wirtschaftsspionage untersagt, ein sogenanntes No-Spy-Abkommen. Hintergrund sind die jahrelangen Klagen deutscher Firmen, dass aus China heraus ihr Know-how gestohlen werde.

 

Milliardenaufträge seien "Zeichen der Wertschätzung"

 

Nachdem deutsche Firmen bereits am Donnerstag zu Beginn von Merkels zweitägiger China-Visite in Peking Aufträge im Wert von 18,6 Mrd. Euro erhielten, wurden in Hefei weitere Abkommen unterzeichnet, die nach offiziellen Angaben ein Volumen von weiteren 2 bis 3 Mrd. Euro haben.

 

Die große Summe der Aufträge gelte als Wertschätzung für Deutschland und die Kanzlerin, hieß es in Delegationskreisen. Li hatte Merkel am Freitag in seine Heimatprovinz Anhui begleitet und dies selbst als einzigartige Geste bezeichnet.

 

Größter Posten ist dabei ein Abkommen über die Lieferung von 100 H135-Hubschraubern durch den europäischen Luftfahrtkonzern Airbus. Die jüngsten Zahlen von Airbus und die Details zu den Milliardenbestellungen hier. (red/reuters/apa)