Baustoffindustrie 26.01.2016 07:34

LafargeHolcim prüft die Schließung weiterer Werke

Nach der jüngsten Fusion zum weltgrößten Zementkonzern wurden bei LafargeHolcim massive Überkapazitäten geschaffen. Diese sollen jetzt verschwinden - auch in Europa.

Bild: INDUSTRIEMAGAZIN Verlag GmbH

Angesichts der Überkapazitäten des weltgrößten Zementkonzerns denkt LafargeHolcim-Chef Eric Olsen über die Schließung von Werken nach. "Das ist möglich, wenn wir in einem bestimmten Land Überkapazitäten haben", sagte Olsen in einem Zeitungsinterview.

 

Überkapazitäten in China

 

Am größten seien die Überkapazitäten in China, Indonesien, Brasilien und Griechenland. "Unsere Produktionskapazität ist momentan weltweit nur zu zwei Dritteln ausgelastet. Das ist nicht akzeptabel", sagte Olsen der Schweizer "SonntagsZeitung": "Wir streben eine Auslastung von über 80 Prozent an."

 

Erneut wiederholte der französisch-amerikanische Doppelbürger die Konzernziele nach der Fusion der französischen Lafarge mit der schweizerischen Holcim im vergangenen Jahr: Bis 2018 würden sich Synergien von 1,5 Mrd. Franken (1,37 Mrd. Euro) ergeben.

 

Firmenanteile werden abgestoßen

 

"Zweitens werden wir als Konsequenz aus der Fusion die Investitionen von heute 3 Mrd. Franken pro Jahr auf unter 2 Mrd. Franken zurückfahren können. Und drittens werden wir Firmenteile im Wert von 3,5 Mrd. Franken verkaufen", sagte Olsen.

 

Zudem werde eine signifikante Zahl an Stellen gestrichen. "An unseren Verwaltungssitzen in der Schweiz und Frankreich bauen wir rund 280 Stellen ab, davon 166 in Paris und Lyon, 120 in Zürich und Holderbank", sagte Olsen.

 

Dazu komme ein größerer Stellenabbau in Ländern, in denen man überlappende Geschäfte habe wie beispielsweise in Brasilien. In den Länderorganisationen sei der Stellenabbau mehr oder weniger schon vollzogen. In Zürich und Paris werde der Abbau Ende Februar beendet sein.

 

Keine konkreten Schitte im Iran geplant

 

Nach dem Wegfall der meisten internationalen Sanktionen sei der Iran zwar ein interessanter Markt. "Wir planen aber zurzeit keine Investitionen im Iran oder in anderen neuen Märkten", sagte Olsen. LafargeHolcim sei in 90 Ländern aktiv. "Das reicht. Wir müssen nicht überall sein."

 

Trotz der Krise vieler großer Schwellenländer sei es kein Nachteil, dass LafargeHolcim über die Hälfte des Umsatzes in Schwellenländern mache, sagte Olsen: "In vielen Schwellenländern, in den wir tätig sind, verzeichnen wir weiterhin ein gutes Wachstum, etwa in Indien oder Indonesien."

 

Weiteres Wachstum in anderen Schwellenländern erwartet

 

Das Wachstum in den Schwellenländern sei größer als in den reifen Industrieländern. Die Margen seien ebenfalls höher. Dagegen sehe man in China und Brasilien noch keine Erholung. Beide Länder würden noch während einiger Jahre ein geringeres Wachstum aufweisen.

 

"Für LafargeHolcim als Ganzes ist das aber nicht tragisch, weil wir in China nur drei Prozent unseres Umsatzes machen. In Brasilien ist der Anteil noch geringer", sagte Olsen.

 

Russische Sberbank steigt kurzfristig für Eurocement ein

 

Unterdessen hat Sberbank, die größte Bank Russlands, vorübergehend ein Aktienpaket am Zementriesen übernommen. Die Sberbank habe vom russischen Großaktionär Eurocement einen Anteil von 6,12 Prozent bezogen, teilt das Institut mit. Es handle sich um ein sogenanntes Repurchase Agreement.

 

Dies bedeutet, dass Eurocement Anteile an die Bank verkauft und zu einem festgelegten Datum und Preis später wieder zurückkauft. Mit der Transaktion kann sich Eurocement kurzzeitig finanzieren. Eurocement bestätigte die Transaktion, gab aber keine Einzelheiten bekannt. Ein LafargeHolcim-Sprecher wollte sich nicht äußern. (sda/reuters/apa/red)