Interview 07.02.2013 14:33

Managerhaftung: „Amerikanische Verhältnisse“

Klaus G. Koban, Chef der Koban Südvers Group Austria, über die neuen Risikofelder bei der Managerhaftung und warum die Luft auch für Aufsichtsräte dünner wird.

Bild: Michael Hetzmannseder

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INDUSTRIEMAGAZIN: Das Logo Ihres Unternehmens ist ausgerechnet der gordische Knoten – ein Symbol für undurchschaubare Aufgaben. Irgendwie passend zu dem Bild, das viele vom Versicherungsmarkt haben.
 
Klaus G. Koban: Der gordische Knoten steht für Verwirrung der Versicherungsnehmer bei den Bedingungen und der Schadensabwicklung. In unserem Logo ist der Knoten aufgelöst, und die Lösung sind wir. Traditionell gab es unter den Versicherern sehr starke Kompositanbieter, die alle Sparten abgedeckt haben. Heute geht der Trend hin zu höchst spezialisierten Versicherungsgesellschaften, wobei in Österreich nur wenige eine intensive Beratung anbieten können. Genau hier positioniert sich die Koban Group, und zwar mit dem Fokus auf Industrie und Gewerbe. Wir sind mit rund 120 Mitarbeitern in nahezu allen Regionen Österreichs vor Ort. Gleichzeitig bieten wir Know-how von Spezialisten aus der Zentrale, sei es bei der Risikoanalyse und dem Risikomanagement, bei Garantie- und Kreditversicherungen oder bei der betrieblichen Altersvorsorge.
 
Wie kann man sich die Analyse von Risiken vorstellen?
 
Koban: Es geht darum, auf die Bedürfnisse des Kunden einzugehen und in einer ganzheitlichen Analyse die Eintrittswahrscheinlichkeit und das Schadensausmaß der jeweiligen Risiken zu erfassen, zu bewerten und einzuordnen. Dann entscheiden wir zusammen mit dem Kunden über einen optimalen Transfer dieser Risiken. Dabei gibt es Risiken, die ich in Wirklichkeit überhaupt nicht versichern muss, und solche, die ich wegen des möglichen Schadensausmaßes auf jeden Fall versichern muss. Bei unserer Risikoanalyse geht es also in erster Linie darum, den Versicherungsschutz zu optimieren und zugleich die Transferkosten zu senken.
 
Die Krise und hohe Volatilität auf den Finanzmärkten prägen seit geraumer Zeit das Bild. Wie wirkt sich das aufs Versicherungsgeschäft aus?
 
Koban: Wir beobachten drei Trends. Das eine ist die stark gestiegene Bereitschaft der Kunden, mittels unserer Analyse die Kosten für Risikotransfers zu optimieren. Hier wurde früher zu sehr auf den Verkauf von Polizzen geachtet und zu wenig auf den Bedarf des Kunden. Das ist heute anders. Der zweite Punkt ist der Trend zur Transparenz. Das heißt, die Kunden wollen klar wissen, was sie erwarten können, wie sich die Prämie im Risikotransfer gestaltet, und sie sind bereit, für diese Leistungen mehr zu zahlen.

Der dritte große Trend: Der Fokus der Haftungen wird immer stärker auf das Management gelegt, auf Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte. Die Anzahl der Fälle, in denen Manager zur Verantwortung gezogen werden, steigt stark. Wir nähern uns hier deutschen und amerikanischen Verhältnissen. Da gibt es einen riesigen Absicherungsbedarf, der mit einer entsprechenden D&O-Versicherung abgedeckt wird. Wir bieten beispielsweise seit wenigen Wochen eine Polizze, die speziell auf das Mandat von Aufsichtsräten abgestimmt ist.
 
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