Stahlindustrie 11.02.2016 22:16

Dutzende Bieter für das Stahlwerk Ilva - Prüfungen laufen

Europas größtes Stahlwerk steht zum Verkauf - und es gibt eine wahre Flut von Interessenten. Darunter findet sich der Weltmarktführer Arcelormittal ebenso wie Stahlkonzerne aus Italien, Brasilien oder Korea. Hier die Details.

Bild: Alberto Vaccaro / CC BY 2.0

Arcelormittal will offenbar das schwer angeschlagene Stahlwerk Ilva im Süden Italiens kaufen - doch der weltgrößte Stahlkonzern ist nicht der einzige Interessent. Wie mehrfach von INDUSTRIEMAGAZIN.at berichtet steht aktuell das größte Stahlwerk Europas zum Verkauf. Die Transaktion soll noch heuer bis Ende Juni über die Bühne gehen.

 

Anfang Jänner hat Italiens Regierung dazu aufgerufen, bis zum 10. Februar Gebote abzugeben. Damit ein Kauf zustande kommt, müssen dabei die Interessenten zusichern, dass die Stahlproduktion fortgeführt wird, der Großteil der Arbeitsplätze erhalten bleibt und Umweltauflagen eingehalten werden.

 

Gerade der letzte Punkt ist besonders heikel - gilt Ilva doch als eine der am stärksten umweltverschmutzenden Industrieanlagen Europas. Wie mehrfach berichtet wird dem Werk in der süditalienischen Stadt Tarent (Taranto) vorgeworfen, für enorm viele Krebserkrankungen in der unmittelbaren Umgebung verantwortlich zu sein.

 

Bei Ilva klopfen 29 Interessenten an - Prüfungen für zweite Runde laufen

 

Jetzt bestätigen sich die Gerüchte, dass Arcelormittal unter den Bietern ist - aber bei weitem nicht der einzige. Nach Angaben von Ilva sind diese Woche insgesamt 29 Angebote eingegangen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Am heutigen Freitag sollen die Angebote weiter geprüft werden. Danach wird entschieden, wer die zweite Runde des Bieterverfahrens erreicht. Die Bieter der zweiten Runde können dann Einsicht in die Bücher des Stahlkonzerns bekommen - bevor sie ein verbindliches Angebot legen.

 

Zu den Bietern gehören demnach neben Arcelormittal auch der brasilianische Konzern Cia Siderugica Nacional (CSN), der koreanische Stahlkonzern Posco oder die Schweizer Gruppe Trasteel sowie mehrere norditalienische Stahlkonzerne wie Marcegaglia, Eusider und Ottolenghi.

 

Neun Bieter in der zweiten Runde

 

Insgesamt neun Unternehmen sind nach Angaben von Reuters bereits in der zweiten Runde des Bieterverfahrens. Darunter sind demnach das US-amerikanische Unternehmen ERP Compliant Fuels, die italienische Staatsgesellschaft Cassa Depositi e Prestiti sowie die italienischen Bewerber Marcegaglia, Eusider und Amenduni.

 

Neben Arcelormittal soll auch der Stahlkonzern Arvedi gute Aussichten auf den Deal haben, schreibt das "Wirtschaftsblatt".Arvedi verfügt über fünf Werke in Italien und erwirtschaftet einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro.

 

Kritik in Europa an den Millionenhilfen aus Rom

 

Unterdessen wächst in Europa die Kritik an den staatlichen Beihilfen für Ilva, die Italiens Regierung dem maroden Stahlwerk zukommen ließ, um Arbeitsplätze zu retten. Nach Angaben der EU-Kommission hat der Stahlhersteller etwa zwei Milliarden Euro bekommen, darunter auch Garantien für Darlehen.

 

Weil diese Summen möglicherweise als ungerechtfertigte staatliche Hilfen einzustufen sind, haben die Brüsseler Wettbewerbshüter vor wenigen Tagen eine Überprüfung der Hilfen eingeleitet. Sollte die Behörde zu dem Ergebnis kommen, dass die Hilfen das Stahlwerk künstlich am Leben erhalten, müssten sie zurückgezahlt werden.

 

Es ist nicht das erste Verfahren auf EU-Ebene, in das Ilva involviert ist. Bereits 2013 hat Brüssel ein Verfahren wegen Verletzung von Gesetzen der EU gegen Italien eröffnet, weil das Stahlwerk in Süditalien die europäischen Standards für Industrieemissionen nicht einhalte.

 

Schwierige Suche nach dem Chef

 

Wie zuletzt berichtet gab Ilva kürzlich einen Wechsel in der Chefetage des Stahlwerks bekannt. Damals hieß es, der bisherige Generaldirektor Massimo Rosini habe den Konzern "in gegenseitigem Einvernehmen" verlassen. Als sein Nachfolger sollte der Stahlmanager Marco Pucci antreten, der zuvor für den Edelstahlproduzenten AS Terni gearbeitet hat. Doch daraus wird offenbar nichts - Marco Pucci hat den Posten abgelehnt.   (pm)