Jürgen Wieser, Expertenpool Expertenpool Jürgen Wieser IM-Expertenpool: Besser präsentieren

Bulletproof statt Bulletpoints

Aufzählungspunkte in Powerpoint töten die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Hirnscans zeigen, dass Regionen, die Emotionen und Motivation verarbeiten, regelrecht zusammenbrechen, wenn wir Folien mit vielen Bulletpoints einsetzen.

12.10.2015 13:23

Über 90 Prozent der Präsentationen im deutschen Sprachraum werden heute als langweilig empfunden. Powerpoint-Slides, die Vortragende auf die Leinwand zaubern, rauschen oft am Publikum vorbei. Ein wesentlicher Grund dafür ist die wiederholte Verwendung von Aufzählungspunkten. Viele Präsentatoren im Vertrieb und im Produktmanagement meinen es gut, detailreiche Informationen zu vermitteln und nutzen dafür regelmäßig Aufzählungsformate, um ja nichts zu vergessen. Doch diese Form der Informationsvermittlung ist nicht gehirngerecht, sagt die moderne Hirnforschung. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) lässt sich heute nachweisen, dass diese flächendeckend verwendeten Gedankenstützen das emotionsrelevante „Ventrale Striatum“ des Zwischenhirns schwächt und damit wirkungsvolle Informationsvermittlung verhindert wird. 

 

Wegen Überlastung geschlossen


Warum sind 8 bis 10 Aufzählungspunkte bei Präsentationen nicht empfehlenswert? Der Grund dafür ist plausibel: Unser Arbeitsgedächtnis, ein Teil des Kurzzeitgedächtnisses, ist schnell mit aufzählenden Reiheninformationen überlastet und die Konzentrations-und Aufmerksamkeitsfähigkeit wird extrem strapaziert. Da dies dem Gehirn viel Energiearbeit abverlangt, schaltet es rasch auf Standby, um Energie zu sparen. Woher kommt nun diese Unart des Präsentierens mit Aufzählungszeichen? Die Empfehlung vieler heutiger Ratgeber mit 7 ± 2 Punkten bzw. Informationseinheiten stammt aus den 1950er-Jahren und ist längst überholt, da dies nur für vollste Konzentration und ohne zusätzliche Umgebungsreize gilt. Doch durch das heutige Infotainment, dem wir rund um die Uhr ausgesetzt sind, zeigen sich im Business sehr häufig Aufmerksamkeitsdefizite und Konzentrationsschwächen, die eine neue Art des Präsentierens verlangen.

 

Lesen und Zuhören läuft nicht synchron


Mit den klassischen Aufzählungsfolien gehen die meisten Vortragenden heute den Weg des geringsten Widerstandes. Sie sparen sich Vorbereitungszeit, weil sie die Sicherheit haben, jederzeit von den Folien lesen zu können, um nichts zu vergessen. Dieser negative Effekt verstärkt sich zunehmend, wenn ganze Sätze auf den Folien dargestellt werden. Wir wissen heute, dass eines gar nicht gut funktioniert: Nämlich dem Präsentator aufmerksam zuzuhören und gleichzeitig von den Folien zu lesen. Dabei kommt es im Gehirn zu einer Art Diskrepanz, denn diese beiden Kanäle überlagern sich und wichtige Produkteigenschaften oder Kernvorteile werden nicht klar verstanden. Aufzählungsfolien machen unsere Zuhörer müde!

 

Was wirkt?


Mittels Neurokommunikation lassen sich wirkungsvolle „limbische“ Strategien bei Präsentationen einsetzen, die die Aufnahmefähigkeit des Gehirns steigern. Es ist zunächst wichtig, die kognitive Belastung des Publikums zu reduzieren. Wenn Sie es überhaupt nicht aushalten, auf Aufzählungspunkte zu verzichten, dann versuchen Sie, diese auf 4 zu begrenzen. Die Zahl 4 repräsentiert in unterschiedlichen Kulturen besondere Bedeutungen. Zum Beispiel das Quadrat in der Mathematik, die 4 Himmelsrichtungen oder die 4 Jahreszeiten, um nur einige zu nennen. Eine sehr effektive Möglichkeit ist die Kopplung von Aufzählungstexten mit Bildbotschaften, da hier Assoziationen im Kundengehirn angeregt werden, die Vorstellungskraft und emotionale Relevanz wesentlich erhöhen. Textüberladene Aufzählungsfolien wirken zudem auch optisch meist unattraktiv. Eine Powerpointfolie darf also ruhig „schön“ und optisch ansprechend sein. 

 

DI Jürgen Wieser ist Gesellschafter bei Limbio Business OG in Kapfenberg und als Coach für Neurokommunikation in B2B und B2C in Österreich und Deutschland tätig.