Rekordverlust 11.02.2016 14:42

Bilfinger droht die Zerschlagung

Der Baukonzern und Industriedienstleister muss Einbrüche im Geschäft mit Kraftwerken hinnehmen und verzeichnet für das Vorjahr einen Rekordverlust von einer knappen Milliarde Euro. Bilfinger steckt seit Jahren in einer tiefen Krise - jetzt könnte das traditionsreiche Baugeschäft ganz verkauft werden.

Bild: Bilfinger Berger

Der kriselnde deutsche Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger hat wegen des Einbruchs im Kraftwerksgeschäfts 2015 einen Rekordverlust erlitten. Der Fehlbetrag summiere sich wegen Abschreibungen, eines operativen Verlusts in der Sparte Power und Restrukturierungskosten auf 489 Mio. Euro nach einem Minus von 71 Mio. Euro 2014, teilte Bilfinger mit.

 

Damit war der Verlust allerdings nicht so hoch wie angekündigt und wie von Analysten erwartet. Im Herbst hatte Bilfinger noch mit einem Minus von 530 bis 540 Mio. Euro gerechnet. An der Börse kamen die Zahlen gut an: Im frühen Handel lag die Aktie gegen den Trend im Plus.

 

Verlust weniger hoch als erwartet

 

Auch ohne die zum Verkauf stehende Kraftwerkssparte schnitt der Mannheimer Konzern besser ab als befürchtet. Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf knapp 6,5 Mrd. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen brach im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf 186 Mio. Euro ein. In Aussicht gestellt waren 150 bis 170 Mio. Euro.

 

Das Unternehmen steckt seit zwei Jahren in einer schweren Krise, die den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch den Posten des Vorstandschefs gekostet hat. Nun steht das Unternehmen womöglich vor der Zerschlagung. Das Geschäft mit Bau und Instandhaltung von Kraftwerken ist wegen der Energiewende, aber auch wegen Fehlern im Projektmanagement eingebrochen. Die Sparte soll bis Mitte des Jahres den Besitzer wechseln.

 

Eine Zerschlagung möglich

 

Auch andere Geschäftsfelder im Baugeschäft, zuletzt die Wassertechnologie, wurden bereits verkauft. Der Umsatz verringerte sich dadurch um eine Milliarde, die Mitarbeiterzahl sank um 15.000 auf gut 56.000. Im Jänner kündigte der neue Vorstandschef Per Utnegaard überraschend an, den Verkauf des restlichen Baugeschäfts und der Immobiliendienstleistungen "ergebnisoffen" zu prüfen, da es Interessenten dafür gebe.

 

Der einst traditionelle Baukonzern würde damit die tragende Säule seines Geschäftsmodells aufgeben, nur Ingenieurdienstleistungen für die Industrie blieben übrig. Die im Herbst verkündete Strategie mit zwei Sparten wäre damit hinfällig. Die Gewerkschaften IG Metall und IG Bauen-Agrar-Umwelt protestierten gegen den Plan.

 

Auf Flugblättern, die sie am Vortag vor der Zentrale in Mannheim verteilten, forderten sie vom Vorstand ein neues Konzept und eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung. Ein Sprecher erklärte dazu, die Verkaufsentscheidung werde so schnell wie möglich getroffen.

 

Gewerkschaften: Verkauf für die Firma statt für Finanzfirmen

 

Utnegaard will zur Bilanzpressekonferenz am 16. März dazu Stellung nehmen. "Im Falle eines Arbeitsplatzabbaus werden Betriebsrat und Gewerkschaften eng eingebunden, um gemeinsam zu einem Interessenausgleich und Sozialplan zu kommen", ergänzte der Sprecher.

 

Zudem pochen die Gewerkschaften darauf, Verkaufserlöse zu investieren und nicht an die Eigner auszuschütten. Davon würde in erster Linie der Großaktionär und schwedische Finanzinvestor Cevian profitieren, dessen Anlage seit dem Einstieg bei Bilfinger vor fünf Jahren massiv an Wert verloren hat. (reuters/apa/red)